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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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3. Die Grundlagen der montenegrinischen Trachten.

Wie Wirtschafts- und Wohnwesen Montenegros bietet auch dieTrachtenerscheinung seiner Bevölkerung eine ganze Reihe kultur-geschichtlich bemerkenswerter Probleme; freilich muß man sich hiebeivielfach schon auf die Verhältnisse vor den letzten kriegerischen Jahrenbeziehen, denn vornehmlich die Männertracht hat durch die Kriegs-zeit starke Beeinträchtigung erfahren, ja man kann sagen, daß sie stellen-weise in völliger Zersetzung begriffen ist. 19) Fast allgemeine Geltunghaben nur die bunt gemusterten Socken und die Opanken bewahrt, sonsttragen die Männer in Westmontenegro heute zumeist ein buntes Durch-einander von soldatischen Monturstücken, Mänteln, Blusen, Hosen, Käppisder regulären oder serbischen Uniform und heimischen Trachtenstücken,vornehmlich weiße oder braune Schafwollhosen, schnurverzierte roteWesten, lange, vorwiegend rote, gewirkte Gürtelbinden und die nach-gerade zum nationalen Abzeichen gewordenen roten Käppis am Leibe.Insofern mag es vom volkskundlich konservativen Standpunkt aus immer-hin als eine nationale und auch sonst verdienstliche Leistung des KönigsNikita angesehen werden, im Lande eine wenn auch modisch zugestutzte,so doch in der alten Volkstracht wurzelnde Nationaltracht nach-drücklich und durch eigenes Beispiel gefördert zu haben, in der einher-zugehen auch heute noch die älteren Männer und halb bäuerlichenWürdenträger des kleinen Staatswesens ihren Stolz setzen.

Sie besteht aus einem aus bläulichweißem feinen Tuch hergestelltenÄrmelmantel und kirschroter schnurbenähter Weste, meist blauen Hosenund hohen Schaftstiefeln, welch letztere sich deutlich als neuere Zugabe-parallel mit den Schaftstiefeln ungarischer und anderer Festtrachten derSoldatenuniform entlehnt erkennen lassen. Im übrigen besteht einevollkommene Übereinstimmung in Schnitt und Zusammensetzung mit derFesttracht der älteren Männer in Bosnien wie im gesamten ehemaligentürkischen Reich und im gesamten Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient bis Turkestan. Vielfach zeigtauch die Alltagstracht dieser Gebiete ja denselben Schnitt.

In der Weibertracht Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibertracht Westmontenegros haben sich anscheinendschon in Friedenszeiten billiges Tuch und Baumwollstoffe westeuropäischerHerkunft einen nicht unbedeutenden Platz erobert gehabt; nicht nur dieKopftücher, auch Röcke und Jacken sind vielfach aus fremden Stoffengefertigt, doch haben sich die wichtigsten volkstümlichen Bestandteilederselben vergleichsweise besser als in der Männertracht bis auf denheutigen Tag erhalten. Es sind dies der Hauptsache nach der grobeleinene Hemd rock, ein ärmelloser, meist weißer Mantelrockaus gefilztem Loden, bunt gemusterte Schafwollsocken, Opanken,wozu von Mädchen ein Käppi, von den Frauen ein Kopftuch, meistabendländischer Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischer Herkunft, getragen wird. So fehlt zur typischen süd-slawischen Weibertracht Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibertracht im Westen der Halbinsel nur die Schürze, dievielfach erst in neuester Zeit abhanden gekommen sein muß, da sie involkskundlichen Berichten bis in die letzten Jahrzehnte bezeugt ist. Außerdem