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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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I. ABSCHNITT.

Kultur- und Lebensverhältnisse in Montenegro.

1. Das Karstgebiet von Westmontenegro.

Siedlungen.

Landwirtschaftliches.

Wer, von den adriatischen Gestaden, geschmückt mit anmutig ver-streuten grünen Inseln südländischer Garten- und Weinkultur, kommendseinen Weg in das Innere Montenegros nimmt, indem er auf der steilenStraße in zahllosen Kehren und Krümmungen den Krstacsattel amLovčen überwindet, dem tut sich das Land als jene trostlos öde, starreBergwüste, Stein in Stein, mit nur geringem Waldwuchs der Höhen, auf,als welche uns die Karstländer im allgemeinen entgegentreten.

Den Gesamtcharakter Montenegros gibt aber dieses Bildkeineswegs wieder. Gegen Nordosten löst die Karstrücken mit ihremKuppengewoge das Kettensystem des bosnischen Schiefergebirges ab, vonreichlichen Niederschlägen befeuchtet, mit saftig grünen Almwiesen undprächtigem Buchenwald bedeckt, in den Dolinen bei Rijeka erfreuensüdlicher Pflanzenwuchs, Weingerank, grünende Laubbäume und die scharfumrissenen Gestalten dunkler Zypressen das Auge, das Becken vonPodgorica hinwiederum zeigt neben angebauten Teilen dürftige steinigeWiesen, an die bergigen Ränder schmiegen sich weißblinkende Dörfer, diesich südwärts auch in der Ebene, durch reichlicheren Baumwuchs schonvon weitem kenntlich, zeigen.

Mit den gebirgigen Kreisen von Plav- Gusinje und Ipek end-lich reicht das kleine Königreich in Landschaftsgebiete, wie sie etwaunseren nördlichen Kalkalpen und den Voralpenlandschaften entsprechen.

Immerhin nimmt das Karstgebiet des Westens einen großen,kulturgeschichtlich sicher den entscheidenden Teil des Landes ein, undwie es landschaftlich die unmittelbare Fortsetzung der KarststreckenSüddalmatiens und der Herzegowina bildet, so ist auch sein volkstüm-liches Leben, soweit sich aus der Begehung dieses Gebietes von derBocche von Cattaro über Cetinje nach Rijeka und Podgorica sowie indas Zetatal bis Danilovgrad feststellen ließ, in denselben naturgegebenenFormen erwachsen wie dort.

Allenthalben ist auf den welligen Hochebenen des Karstes Anbaunur in geringem Maße möglich; die lockeren unregelmäßigen Dörfer sindmeist am Hange der Mulden oberhalb der dort angelegten Felder in mehroder minder loser Gemeinschaft erbaut. Wo im sanfter gewellten GeländeErde unregelmäßig abgelagert ist, findet man zerstreute Weiler-siedlung, so an der Straße zwischen Rijeka und Podgorica bei Brezina.Zeitschr. für österr. Volkskunde. XXIII. Ergänz.- Bd. XII.

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