Literatur der österreichischen Volkskunde.
197
wegnehmen soll, und vieles andere wäre zu erwähnen. Aber nur eine recht erfreulicheaus dem Vorwort möge zum Schlusse noch ausdrücklich hergesetzt werden, daß nämlichAmmanns großzügige Wiederbelebung des Höritzer Passionsspieles vielfach die Spielfreudeneu entfacht hat. So hat die von Ammann ausgegangene Tätigkeit auf diesem Gebiete ,.die durch Jungbauers Buch einen vorläufigen und teilweisen Abschluß gefunden hat, imganzen Böhmerwalde schöne Früchte getragen!
Die Besprechung des Buches selbst aber wollen wir mit den anerkennendenWorten A. Hauffens schließeu, des Berufensten auf dem Gebiete deutschböhmischerVolkskunde, in dessen Sammelwerk es ja auch erschienen ist:„ Es ist ein Vorbild fürspätere Arbeiten derselben Art. Hoffentlich wird auch diese gründliche Würdigung desBöhmerwaldweihnachtsspieles Nachfolge finden!"(„ Deutsche Arbeit“, 11, S. 231.)Dr. R. Jordan.
12. Der Mensch aller Zeiten. Natur und Kultur der Völker der Erde. Bd. I.Der Mensch der Vorzeit. Von Prof. Dr. Hugo Obermaier. Allgemeine Verlags-gesellschaft, Berlin- München.
Mit Ausgabe der Lieferungen 9-13 erscheint der vorgeschichtliche Teil des obengenannten Werkes, auf das wir den Leser schon früher einmal aufmerksam gemachthaben, ¹) zu Ende geführt. Da die Besprechung der älteren Steinzeit allein fast zehn dergesamten Lieferungen in Anspruch nimmt, ergibt sich ein sehr ungleiches Verhältniszwischen der extensiven Behandlung des Stoffes in diesem Teile und der knappen, jaallzu knappen Darstellung der späteren Kulturstufen. Es wäre wohl nicht bloß im Sinneder engeren volkskundlichen Bestrebungen, sondern auch im Rahmen des den Menschenaller Zeiten berücksichtigenden Gesamtwerkes entschieden wünschenswert gewesen,wenn die Schilderung der prähistorischen Kulturformen gerade in ihrem Übergang in denBereich der geschichtlichen Entwicklung auf möglichst breiter Basis sowohl stofflicherNatur wie auch in geographischer Hinsicht vor uns aufgerollt worden wäre; diesbezüglichbietet etwa für Nord- und Osteuropa sogar die kleine populäre Urgeschichte Europasvon S. Müller mehr Angaben informierender wie kritischer Art.
Sehr willkommen erscheint es unter diesen Umständen, daß der an sich ja inhalts-reiche, aber lediglich kurz referierende Text dieses zweiten Teiles gleich dem des erstendurch vorzüglich ausgewählte Abbildungen wesentlich ergänzt und bereichert wurde; aufdas hierdurch gebotene Material wollen wir ganz besonders aufmerksam machen.
"
Um auf Einzelheiten einzugehen, die erhöhtes Interesse beanspruchen, sei zunächstauf das sehr wertvolle Kapitel über die diluivale Kunst aufmerksam gemacht. Wenigerglücklich erscheint der Abschnitt über die psychische Beschaffenheit des Diluvialmenschen.Die Aufstellungen P. W. Schmidts über die Pygmäen als Kindheitsvölker" der Menschheithalten wie in vieler Hinsicht, so auch bezüglich der Schilderungen der ethischen Problemeeiner ernsthaften Kritik durchaus nicht stand und sonst kann auch den Nutzanwendungenauf den prähistorischen Menschen einem zu supponierenden„ eolithischen Kulturkreis"und dergleichen nur ein sehr problematischer Wert zugemessen werden. Immerhin findetder Leser auch hier reiches Tatsachenmaterial zur Sache vom Autor selbst zusammen-getragen. Am meisten dürften für den Volkskundeforscher die Daten über die jüngereSteinzeit von Belang sein, so vornehmlich die Kapitel über die Pflanzen und Tiere,fernerhin die Ausführungen über prähistorischen Kupferbau und den Berg-.betrieb auf Salz, die zur Vergleichung mit mittelalterlichen und primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv neuzeitlichenFormen des Betriebes geradezu herausfordern. Hierüber vergleiche auch die vor kurzemerschienenen Ausführungen Dr. Kyrles über den Kupferbergbau auf dem Mitterberg beiBischofshofen, 2)
Auch eine Untersuchung über rezente Pfahlbauten und ihren Zusammen-hang mit prähistorischen Siedlungsformen wurde dem Leser dieser Zeitschrift für dienächste Zeit in Aussicht gestellt. Noch sind es zahlreiche andere Dinge, die der
1) Vergl. die Besprechung in der„ Zeitschr. f. öst. Volksk.", Bd. XVII 1911, S. 222.2) Mitt. d. anthrop. Ges., Wien. Bd. 42, 1912, S. 196 ff.
Zeitschrift für österr. Volkskunde. XVIII.
14