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Fischel,
So bedeutet denn dieses wertvolle Werk einen wichtigen Ab-schnitt in der Entwicklung der Sammlung und in der Förderungder Sache.
Man spricht heute getrennt von den Begriffen Volkskunde undVolkskunst. Der Kulturhistoriker, der Ethnograph, der Sprachforscher
alle die vielen Männer der Wissenschaft, die für die Kenntnis derEntwicklung der Menschheit nach kulturellen Stadien, nach Stammes-und Rasseneigenschaften, nach sprachlichen Äußerungen, nach Sittenund Gebräuchen forschen, haben ja stets den primitiveren Glossar ::: zum Glossareintrag primitiveren Zuständender Kulturentwicklung, den ursprünglichen Lebensformen erhöhtesInteresse zugewendet.
Auf dem Gebiete der Kunst ist dieses Interesse erst in denletzten Jahrzehnten besonders lebhaft geworden. Architekten, Maler,Bildhauer haben wohl auch früher gerne die kräftigen, naiven,frischen Äußerungen des Volkes in Tracht, Hausrat, Schmuck undGerät verfolgt. Sie hatten ihre Freude an der Art, wie der Bauer, derFischer und Schiffer in sein einförmiges Leben die Sonnenstrahlenkünstlerischer Betätigung leuchten läßt, allein von einer eigentlichenVolkskunst als einer zusammenhängenden, überall in der Welt vor-handenen Erscheinung hat man noch nicht lange genauere Kenntnis.
Erst das zunehmende Verschwinden der vorhandenen Zeugendieser Betätigung, erst die Erkenntnis von dem großen Verlust, denwir zu erleiden im Begriffe sind, hat die systematische Verfolgungdieser Leistungen beschleunigt und dringend gemacht. Dann istauch eine wichtige Veränderung in den künstlerischen AnschauungenEuropas diesen Bestrebungen günstig geworden.
Am Ende des 19. Jahrhundertes ist eine sichtliche Ermüdung inder Begeisterung für historische Kunstformen unter den produktivenKünstlern eingetreten. Nachdem eine eklektische Periode die genaueKenntnis der Kunstäußerungen aller Kulturvölker gefördert und ihreUbertragung in das moderne Leben bewirkt hat, wurden von derAntike bis zu ihrer Wiederbelebung durch den Klassizismus des19. Jahrhundertes alle wichtigen Perioden mit den neuen Aufgabenin Verbindung gebracht. Die Epoche der Stilarchitektur hat der Reihenach die Kunstformen der Vergangenheit und besonders die voll-kommensten und am höchsten entwickelten neu zu beleben versuchtund auf moderne Lebensaufgaben angewendet.
Dies führte zu einer Erschöpfung, welche eine Bewegunghervorrief, die Neuformen zu schaffen suchte. Zugleich aber entstandder Ruf nach Vereinfachung alles Formenapparats, nach Sachlichkeitund Knappheit im Ausdruck, nach materialgemäßer und konstruktivklarer Lösung der künstlerischen Probleme.
Man erkannte, wie wenig unsere Zeit zur Lösung großer undmonumentaler Aufgaben auf dem Gebiete der Kunst die Eignung