Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Gebildbrote der Sommer- Sonnenwendzeit.

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um ein Sonnenrad, um keinen Saatkuchen, um kein Sonnenwend-gebäck handelt.

Am 22. Juni, dem Tage der Sommersonnenwende nach demGregorianischen Kalender, heute bei den Katholiken Herz Jesu- Fest, war,beziehungsweise ist in Mainz bei St. Stephan die sogenannte Batzen-kuchen Prozession üblich, bei der als Entgelt für die Prozessions-kerze den Anteilnehmern vor der Kirche ein 1 Batzen(= 12 Pfennige)wertes Gebäck gespendet wird; dies hat die primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Form eineskleinen, durch Stichelung und Querschnitte oberflächlich etwas ge-zeichneten christlichen Osterfladens; dieses Kirchenalmosen, das einEntgelt für das der Kirche wertvollere Wachs ist, ist sicher keinSonnenradgebäck nach seiner Form und seinem Brauche, wenn esauch rund ist.

Am 23. Juni, dem Tage der heil. Agrippina in der griechisch-katholischen Kirche, wird diese Heilige als» Baderin« gefeiert( alsoauch im Zusammenhange mit der Wasser- oder Regenfeierzeit), auchals» grimme(= Zauber) Kräuter«-Frau benannt, weil an diesem Tagevor der Sommersonnenwende aromatische Kräuter für die Badestubenoder Schwitzbäder als( Dämonen abwehrendes, reinigendes) Heilmittelgegen Krankheiten gesammelt werden. Vor dem Bade an diesemBadefesttage wird ein Brei aus im Mörser zerstampfter Gerste, dersogenannte» gelobte Badetag brei« bereitet, wobei unter der Be-reitung verschiedene Zeremonien verrichtet werden und jeder An-wesende Lieder( mit apotropäischer Wirkung) mitsingt. Diesen Breiverzehrt der Bauer nach der Rückkehr von dem als Kultreinigungs-handlung geltenden Bade und bewirtet nach Sippenart auch dieBettler(= arme Seelen) damit( Yermoloff, 1. c. 290). Die Erinnerungan die Communio mit den Seelengeistern leuchtet auch hieretwas durch den verblaßten Volksbrauch hindurch. Die Ver-söhnung mit den Wassergeistern, denen ehemals dieser Breigeopfert worden zu sein scheint, erhielt gesund und fruchtbar.In Nordrußland badet man in der Johannesnacht nicht, um nichtvom Nix ins Wasser gezogen zu werden; dagegen badet man imMorgentau zu Ehren des slawischen Gottes Kupalo ¹)( l. c. 294). SolcheParallelen, welche das griechisch- katholische Slawenvolk liefert, gebeneinen Fingerzeig auf den volkskundlichen Hintergrund, der auch inder Feier des Tages des christlichen Täufers mit dem reinigendenTaufwasser 2) zu berücksichtigen ist. Der biblische Johannes gilt zwaram Pfingstmontag berittene Bursche den von gewissen Mühlen gelieferten Mühlkuchenauf Stangen zum Klosterbrunnen( Mannhardt, Waldkult, 393).

1) Die Johannesnacht heißt auch im Krakauer Bezirk nach Vernaleken( Mythen undBräuche des Volkes in Österreich, p. 309) die Kupalische Nacht". Ob Kupalo wirklichals Gott verehrt wurde?

2) Taufen( baptizare, panti) ist eigentlich in die Tiefe des Wassers untertauchen,das bei den alten Germanen schon ein Reinigungsakt bei der Geburt war( Galenus).