Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
15 (1909) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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I. Abhandlungen und grössere Mitteilungen.

Blumenstalen aus dem Kaunertal.

Von Elsa Brockhausen, Wien.

( Mit 1 Textabbildung und 2 Figurentafeln.)

Einen kleinen Beitrag zur Erfor-schung der Volkskunst wollen dieseZeilen und die Tafeln I und II bringen.

Sie handeln von gesägten, ge-schnitzten und bemalten Stalen, dassind vor die Fenster gehängte Blumen-bretter, die den einzigen Schmuck, dieeinzige Kunst und Farbenfreude der soeinfachen Häuser des Kaunertales bilden.Denn das Kaunertal ist ein ziemlichweltverlassenes Hochtal, das von dergroßen Heerstraße des Oberinntales, dievon Landeck zum Stilfserjoch führt, bei Prutz in südöstlicher Richtungabzweigt und mit dem Gepatschferner endet.

Fig. 1. Haus aus dem Kaunertal.

Wohlhabenheit ist dort kaum zu finden; selbst das bekannteTiroler Haus ist hier einem einfacheren Typus( siehe Vignette) ge-wichen. Es ist im wesentlichen ein Blockbau, den man von außennicht mehr als solchen erkennt; ist er doch in seinem Erdgeschoßummauert, in seinen Obergeschossen mit Latten benagelt, die einenVerputz aufnehmen. So steht das ziemlich nüchterne weiße Haus da;bloß eine charakteristische Einschnürung oberhalb des Erdgeschossesverrät seine Konstruktionsweise, und selbst die belebenden Fenster-läden fehlen. Aber gerade jener Mangel ermöglicht die bequemeAnbringung der erwähnten bunten Stalen, die ihren Namen von» stellen« ableiten und sich der größten Verbreitung im Kaunertaleerfreuen. Einmal auf sie aufmerksam geworden, gewahrt man mitFreude die zahlreichen und originellen Varianten, in denen primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiveBauernkunst dies schlichte Thema abgewandelt und ausgestaltet hat.Wie so viele vor mir war ich achtlos an diesen bäuerlichen Kunst-produkten vorübergegangen, und erst als mir die besonders schöneStale Nr. 2 auf Tafel aufgefallen war, schien es, als ob mir derStar gestochen sei; ich fand sie an den meisten Häusern und konnteeine ganze Sammlung der verschiedensten Formen in meinem Skizzen-buche anlegen. Auch außerhalb des Kaunertales, in Prutz und Ried,fand ich meine Stalen wieder. Der Pfarrer von Feuchten im Kauner-tal, Herr Johann Lorenz, schreibt mir, daß er, durch mich angeregt,

Zeitschrift für österr. Volkskunde. XV.

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