Brauch und Volksglaube in Gottschee.
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Vieh nichts Böses antun. Soll die Ernte reichlich ausfallen, dannmuß die letzte Furche in der Richtung gegen das Dorf gezogenwerden.
Von besonderer Wichtigkeit ist die Zeit der Aussaat. Sätman in der Palmwoche Kraut oder Runkelrübe, dann wachsen diejungen Pflänzchen aus( sie setzen nur Samen an). Am Palm- undKarfreitag wird überhaupt nicht in der Erde gearbeitet. Man sätauch nicht bei Neumond, denn da büßt der Mist an Güte ein, dasKorn schießt nur leer in die Ähren. Zwischen 11 und 12 Uhr bautder Bauer ebenfalls nichts an, denn das ist für ihn eine Unglücks-stunde. Salat sät er drei Tage nach Neumond, Möhren, wenn derKalender Fische zeigt; Erdäpfel setzt er nicht, wenn die Sonne indas Zeichen des Skorpions tritt, sonst werden sie löcherig. Kraut,das bei» Zwillinge« angesetzt wurde, mißrät, es wächst» krivlat«( verkrüppelt, krumm). Den Mais eggt man bei» Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau« und» Stier«,den Weizen bei» Löwen« ein. Was die Erde bei» Krebs« aufnimmt,gedeiht nicht gut, es schreitet nur kümmerlich weiter.
Beim Anbau ist manches zu beachten, was einem anderenMenschenkinde belanglos scheint. Beim Hirsesäen soll man solangestrenges Stillschweigen beobachten, bis der Acker vollends bestelltist; beim Krautsäen beuge man sich nicht zur Erde. Auf dem Wegezum Krautsäen soll man keine Brotbrösel in der Tasche haben; auchdürfen einem die Hühner nicht über den Weg laufen. Unter denLeinsamen mengt man mehrere gekochte Eier. Nach der Saat wirftman die Eier wiederholt in die Luft und fängt sie wieder auf. Einereiche Flachsernte ist dann dem Landmann sicher. Der Hirse wirdvor der Aussaat durch ein Feuer( zum Beispiel einen brennendenBesen) geschüttet, damit er nicht brandig wird. Rübensamen begießtman gern mit Petroleum, damit die Flöhe nicht über die Rüben her-fallen und sie auffressen. Am Faschingdienstag werden die zur Aus-saat bestimmten Maiskörner vom Maiskolben gelöst; doch wird derKolben nicht ins Feuer geworfen, damit der Mais nicht brandigwerde. Taucht man ihn vor der Aussaat in Milch, so wird dadurchsein Wachstum befördert und er wird früher reif. Beim Rübensäendarf man nicht fragen. Je größer die Erdknollen, desto tüchtiger dieRüben. Steckt man Rübensamen in die Tasche, so wird statt RübenKraut aufsprießen. Dem Lügner geraten die» Rickle«( Runkelrüben) gut.
Wird ein Acker bestohlen, so wird dem Besitzer auf siebenJahre die Ernte verdorben. Nur dadurch kann man den Zauberwieder heben, wenn man über den Acker kreuzweise zwei Furchen( Diagonalen) zieht, ohne daß dabei jemandem ein Sterbenswörtleinentschlüpft. Wer einem Nachbar die Überfahrt über sein Feld ver-wehrt, dem versperrt Gott auch den Weg, er stirbt noch im selbenJahre. Wer sich aufmacht, um Paten für sein Kind zu bitten, gehtbarhaupt durch das Feld.
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