126
Kleine Mitteilungen.
Am Gründonnerstag werden ganze Haufen von Reisig und dergleichen,„ Papaleie"oder„ Bobotaie" genannt, angezündet, um überallhin das Herannahen des Osterfestes zuverkünden und gleichzeitig vom Schöpfer ein erntereiches Jahr zu erflehen und Ungeziefervon Feld und Garten fernzuhalten.
Dieser Tag wird auch zur Vorbereitung der Ostereier benützt.
Es gibt vier Arten von Ostereiern, und zwar rot gefärbte Eier( oaue roși), getupfteEier( merişoare), geschriebene Eier( oaue scrise sau incondiate) und geplagte Eier( oaue muncite).
Obzwar jedes rumänische Bauernweih in der Ausführung der Ostereier eine be-sondere Übung besitzt, findet man trotzdem in jeder rumänischen Gemeinde immer auchsolche Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber, welche die Ostereier mit einer ausgesprochenen Kunstfertigkeit unter Ent-faltung eines großen Formenschatzes ausführen. Für das Färben eines Eies werden beiZustellung des nötigen Bienenwachses 4 bis 6 Heller gerechnet und kann ein Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib täglich30 bis 40 Ostereier kolorieren. Die zum Kolorieren benützten Farben werden zumeistaus Pflanzenstoffen erzeugt, sind immer lichtecht und wird deren Leuchtkraft noch dadurch
Fig. 121-123. Gefärbte Ostereier der Rumänen in der Bukowina.
121 122:» geplagte<< Eier.
123» geschriebenes<< Ei.
erhöht, daß die weißen Eier vor der Behandlung in gegärte Molken oder in eine ausgegärter Kornkleie bereitete Säure gegeben werden, wodurch dieselben blühend weißwerden und die Adhäsion für die Aufnahme der Farben sich erhöht.
Die schönsten gelben Farben werden aus den Zweigen des Apfelbaumes, ausZwiebelschalen, aus den Blättern der Frühlingsknotenblume und Wolfsmilch, die roteFarbe aus der Rinde des wilden Apfelbaumes, Schwarz wird aus der Erlenrinde etc.erzeugt.Da die Behandlungsweise der ersteren zwei angeführten Arten von Ostereiern eineprimitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive ist und gewiß auch bekannt sein dürfte, wird hier nur die Beschreibung der so-genannten geschriebenen und geplagten Ostereier erfolgen.
Zuerst werden die typischen Zeichnungen, die sich in einzelnen Gemeindenwesentlich voneinander unterscheiden, mittels flüssigen Bienenwachses an reinen, etwaserwärmten Eiern mit einem feinen, aus dünnem Messingblech durch Zusammenrollen er-zeugten feinen Röhrchen( Chisițå) gleichsam aufgeschrieben. Hierauf werden die be-schriebenen Eier der Reihenfolge nach in gelbe Farbe getaucht, nach einigen Minuten heraus-genommen und gut getrocknet. Die Stellen im Ornamente, die gelb zu bleiben haben,werden sodann mit flüssigem Wachs betupft und werden die Eier unmittelbar nach dieserProzedur in rote Farbe getaucht. Die Stellen, die rot zu bleiben haben, werden wiedermit Wachs betupft. Zuletzt werden die so behandelten Eier in schwarze Farbe gegeben,die bei den geschriebenen Ostereiern stets als Grundfarbe dient. In der schwarzen Farbewerden die Eier auch gekocht; das Wachs wird hierdurch sehr weich und kann miteinem alten Leinwandlappen abgewischt werden, wodurch das polychrome Ornament desEies zum Vorschein tritt. Damit das Ei eine glänzende Oberfläche erhält, wird es nochmit altem Speck gut eingerieben.