Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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11 (1905) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

Stück des slowenischen Geländes geht der Blick des Forschers nach allen Seiten derslawischen und nichtslawischen Welt, woher ähnliche Erscheinungen zum Vergleicheherangezogen werden. Auch dadurch unterscheidet sich diese Arbeit von der ersteren,daß hier der dem Menschen zur Wohnung dienende Raum vor allem beobachtet und vondiesem Mittelpunkte aus die Entfaltung des oberkrainischen Bauernhofes nach allenSeiten hin verfolgt wird. Um diesen Standpunkt gleichsam zu rechtfertigen, unterwirftHaruzin einige primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Wohnlichkeiten, die heutzutage freilich eine Ausnahmsstellung ein-nehmen, zunächst einer genaueren Untersuchung. Dies sind die im hohen Gebirge gelegenenAlpenhütten, die den Hirten und Sennern, zum Teil auch ihren Herden, als Zufluchts-stätte dienen, indem er annimmt, daß dies Überreste alter, allgemein giltiger Hausformenseien, denen die fortschreitende Kultur nichts anhaben konnte. Diese einzelligen oderdoch auf diesen Charakter hinweisenden Hütten nennt der Oberkrainer stan, kočna,bajta oder sirarnica( Käsehütte, weil sie in diesem Falle speziellen Zwecken dient).

Fig. 15. Oberkrainer Hütte( kočna).

Bemerkenswert ist, daß derForscher eine Form dieserHütten, tamor( oder auchtamar) genannt, aus dieserKombination ausschließt undsie auch wegen des nicht-slawischen Namens denAboriginern des Landes,etwa den Illyriern, zuweisenmöchte. Er betont mit Recht,daß das uns interessierendeGebiet ein Land ist, wo sichdie verschiedensten Volks-stämme

herumgetummelt,

daß man somit mit diesemFaktor rechnen müsse; so-weit nun die geschichtlichenQuellen fließen, muß mandie Illyrier als die Aboriginerdieser Gegenden annehmen,die dann mit den Kelten inBerührung kamen, um von den Römern latinisiert zu werden. Neben dieser Unterschichtekämen die germanischen und nichtarischen Durchzügler wohl zu keiner größeren Bedeutung,erst mit der slawischen Besiedelung, die also wohl nicht auf ödem Grunde geschehen sei,wäre auch das deutsche Element als mitbildend aufgetreten. Haruzin gibt somit fremde( be-sonders deutsche) Einflüsse bei der Ausgestaltung des oberkrainischen Bauernhauses zu, suchtjedoch nachzuweisen, daß eine ursprüngliche slawische Kraft, die in die neuen Sitze mitgebrachtwurde, die urslawischen Formen weiterbildete und sich die fremden Elemente mehr oderweniger organisch assimilierte. Diese seine These sucht er vergleichend darzutun, eineMethode also, die uns einzig der Lösung der Frage näher bringen kann. Der Forschergibt zwar zu, daß die äußere Form des oberkrainischen Bauernhauses, wie es sich demoberflächlichen Beobachter präsentiert, wenige allgemein slawische Züge aufzuweisenscheint, wenn man es jedoch seinem Plane nach analysiert, so findet man unschwer diemeisten bei den übrigen Süd-, Ost- und Nordslawen auch erhaltenen Hausteile wieder.Bevor die eigentliche Aufgabe, das heißt die wissenschaftliche Verfolgung der geschicht-lichen Evolution des oberkrainischen Hauses aufgenommen wird, gibt uns Haruzin zunächsteinige wissenswerte Daten über das Baumaterial und die äußere Ansicht und Form desBauernhofes in Oberkrain. In ersterer Beziehung wäre zu bemerken, daß das ursprünglicheBaumaterial Holz war, aus dem noch heute sowohl die oberwähnten primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Baulich-keiten im Gebirge hergestellt sind, als auch viele Teile des Hauses im engeren Sinneund besonders der Wirtschaftsräume. Interessant ist, daß der Stein zunächst an der