Mittheilungen aus dem Verein und dem Museum für österreichische Volkskunde. 261
daneben eine Ofenthür in den Kachelofen eingepasst wurde. Dieser hiedurch verschlosseneRaum diente aber bereits in späterer Zeit zum Kochen der Speisen, wie überhaupt zumVorwärmen der Futtermittel; als späterhin der Sparherd aufkam, nur mehr noch alsAnwärmer für diverse Speisen, Futter und Getränke. Das Anheizen erfolgte von derKüche aus, welcher Vorgang an anderer Stelle zur Besprechung gelangt.
Gegenüber dem Kachelofen, links vom Eintritte durch die Stubenthüre, stand daszweispännige Bett. Seinen Namen verdankt es wohl der früher herrschenden Sitte, zweiLagerstätten in einer zu vereinen. Anderseits mag wohl aber auch die Platzfrage eineRolle mitgespielt haben, welche insbesonders bei reichlichem Kindersegen in den Vorder-grund trat. So zielte man, wie ja ein Einblick in die Räumlichkeiten ersehen liess, aufmöglichste Ausnützung der Räume, des Mobilars wie der sonstigen Geräthe hin, so dasssich der einheitliche Typus zuweilen schwer erkennen lässt.
Während die älteste Wohnstubeneinrichtung jeglicher Malereidecoration entbehrteund sich nur auf den figuralen Schmuck erstreckte, gibt uns die später geübte Malmanieden Weg an, innerhalb welcher Zeitgrenzen sich selbe entwickelte und wiederum ver-schwand. So fand Schreiber dieser Zeilen als ältestes Belegstück eine Lade mit derJahreszahl 1745 und als jüngste eine solche vom Jahre 1848 datirt vor. Einen Schluss,auf Grund dieser vorhandenen Laden, Kästen etc. mit ihren Jahreszahlen, rücksichtlichder technischen Entwicklung zu ziehen, dürfte insoweit gestattet sein, dass man annehmenkann, dass die Malerei zu Ende der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ihre Blüte-zeit erreichte.
Die Revolutionsbewegungen der Achtundvierzigerjahre, welche nicht nur dempolitischen Leben, sondern auch allen Zweigen industrieller und gewerblicher Unter-nehmungen neue Bahnen und Bethätigungskreise zuführten, brachen auch mit diesemModus ländlicher Mobilardecoration, von dem man nicht bestimmt sagen kann, wann ereigentlich aufkam.
Die Motive zu den Malereidecorationen waren vorwiegend der Natur entnommen.Während die ältesten Laden ein mehr oder weniger, in drei bis vier Farben hergestelltesStreifenmuster tragen, findet man späterhin hauptsächlich primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Pflanzenornamente inden Hauptfarben roth, grün, blau und weiss vertreten.
Die Lade enthielt an der linken Seite ein die ganze Breite einnehmendes und miteinem Deckel zu verschliessendes Fach, an welches sich nach unten ein zweites Fach mitausziehbaren Schublädchen anschloss. Sämmtliche drei bis vier Schubladen waren aberdurch ein seitliches Brett derart verdeckt, dass nur der mit dem Mechanismus Vertrautedessen Entfernung bewirken konnte. Die Sperrvorrichtung der Lade selbst war ein so-genanntes Federschloss, dessen beide Zangen in die Oesen des oberen Deckels eingriffenund nur geöffnet werden konnte, wenn man mittelst des Schlüssels die Feder auseinander-bog. Aber auch der Speisekasten( Aolmer), Tellerkasten( Teppbraet)*) das Bett, die Wiege( Wiech), die Stühle( Schemel), der Kleiderrechen( Klaederraeche) zeigen die gleichenDecorationen und lassen, wie hhie und da die aufgemalenen Jahreszahlen zeigen, ein nichtunbeträchtliches Alter erkennen.
Die Construction der oben angeführten Wohnstubeninventarstücke war eine mehr oderweniger gewählte. Während das gewaltige Bett an seinem Kopfende einen halbkreisförmigenund mit Zieraten versehenen Aufsatz trug, welchem sich zu beiden Seiten der Bettbretterein gleicher anschloss, bethätigte sich der decorative Holzschmuck in gleicher Weise auchbei den übrigen Mobilien. Zumeist sind es nur einfach ausgeschnittene Aufsätze, welchedie Umrisse der Möbel zu verzieren hatten. Diese Decorationsaufsätze erhielten ihre Ver-bindung mittels Holzstiften, welche in gleichstarke Vertiefungen des zu verzierendenGegenstandes eingelassen wurden.
Der Speisekasten enthielt seitlich eine Reihe von Schubfächern, deren äusserster Randdurch die Thürfalz bedeckt wurde, um ein Oeffnen zu verhindern. Der übrige freie Raumwar durch Bretter in Fächer getheilt.
*) Man bezeichnete damit auch ein einfaches, an der Wand befestigtes Brett, aufwelchem die Töpfe ruhten.