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Kleine Mittheilungen.
Bienenzüchter bestreichen ihre Bienenstöcke innen mit gestossenem Fenchelkraut.Die Bienen bleiben im Stock und verfliegen sich nicht.( Wernstädter Gegend.)
Sollen die Bienenstöcke gut schwärmen, so muss man die Fluglöcher am 1. Maimit Ziegenmilch*) bespritzen oder bestreichen.( Markersdorfer Gegend, Kamnitz.)
In einer alten Bauernpracke fand ich folgendes Gebet,**) damit die Bienen beimSchwärmen nicht davon fliegen: Lieber Weiser, bleib hier! Ich will dir geben ein schönesHaus, darin kannst du bauen Honig und Wachs, damit alle Kirchen gezieret werden. ImNamen des Vaters, des Sohnes etc.
Am Charsamstag klopft man die Bienenstöcke, damit diese honigreich werden.( Algersdorf.)
In der Hohenelber Gegend gibt es alte Bienenzüchter, die keinen Fremden in denBienenstock sehen lassen, weil sie glauben, das verhexe die Bienen und kommendeSchwärme flögen davon, ohne sich in der Nähe anzusetzen.
Am Frohnleichnamsfest wird in der Hohenelber Gegend an jeden Bienenstock eingeweihter Kranz gehängt, das bringt Glück; in der Brüxer Gegend feiert man den Stockdurch geweihte Palmenzweige und Birkenreiser.
Die Bienen darf man weder verachten noch verfluchen. Sie sind keine„ Ludern;"sie gehen nicht darauf, sondern sie sterben.( Brüx.)
Verflucht Einer des Andern Bienen, so sterben sie, wenn der Verflucher im Rechtist.( Brüx.)
Wer Bienen stiehlt, dem wachsen die Finger zum Grabe heraus.( Brüx.)
Vom ersten gezeidelten Honig soll man stets dem Nachbar schenken.( Brüx.)
Zu Ostern soll man Honig essen, da bekommt man während des Jahres keineHalsschmerzen( weit verbreitet); um während des Sommers von den lästigen Gelsen befreitzu sein, isst man in Wernstadt am grünen Donnerstag nüchtern Honig.
Den Bienenvater stechen nach allgemeiner Ansicht die Bienen nicht, weil sie ihnkennen.( Diese Anschauung muss jedoch unter allen Umständen verneint werden.)
Ünzüchtige dürfen sich einem Bienenstocke nicht nahen, sie werden von den Bienenverfolgt; keusche Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrauen werden jedoch von keiner Biene gestochen.( Leitmeritzer Gegend.)Ein Bienenzüchter darf nicht geizig sein, sonst bringt ihm die Bienenzucht nichtsein.( Zittnai.)
Weit verbreitet ist der Brauch, den Bienen den Tod des Bienenvaters zu melden;im Unterlassungsfalle würden sie sonst zugrunde gehen. In Hohenelbe klopft man beimAbleben des Bienenvaters dreimal an den Stock und verkündet dessen Tod. In der DaubaerGegend dagegen klopft man erst beim Fortschaffen der Leiche an die Stöcke. In Brüxrückt man die Bienenstöcke vom Platz, den Tod aber meldet man durch Klopfen an denStock Bienlein, dein Vater ist gestorben." In Zittnai bei Liboch klopft man beim Fort-schaffen der Leiche an die Stöcke und spricht:
Ihr Bienlein, ich klag euch meine Noth,Euer Herr ist todt;
Doch seid ferner fleissig hübsch fein,Ich will euch ein guter Vater sein.
In Brüx meint man auch, wenn der Bienenvater stirbt, gehen ihm die Bienen baldnach".( Eine Meinung, die sich sehr oft erfüllen dürfte.)
In der Volksmedicin finden die Biene und der Honig öfters Anwendung; derHonig als Mittel gegen Husten, Halsweh, zu Pflastern; mit Hühnerkoth scherzweiseals Barterzeugungsmittel. Die Bienen aber zu Pulver gebrannt, mit Honig gemischt, ver-wendet man gegen das Ausfallen der Haare.( Algersdorf.)
Den Bienenzüchtern dient das Bienlein als Wetterprophet: sind sie stechlustig, sokommt Gewitter; bleiben sie Morgens im Stock, so Regen; kehren sie schon zu Mittagschaarenweise heim, so kommt Sturm.( Leitmeritzer Gegend.)
Nach dem Urquell" VI. Bd. pag. 21 kommt dieser Brauch auch in Pommern vor**) Fast ganz gleich im„ Urquell" VI. Bd. pag. 70 ohne näheren Ursprungsort.