Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde7 (1901) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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7 (1901) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

zugänglich. Höchst lehrreich ist, was der Bericht hierüber beibringt: Es wurde von derFachschule in Gottschee schon in den Achtzigerjahren der Versuch gemacht, die Holz-geschirrindustrie zu verbessern und zu heben, zu welchem Zwecke eine Mustercollection Molkereigeräthschaften" auf der Ausstellung in Zürich angekauft und den betreffendenHausindustriellen als Modelle geliehen wurde; aber diese Action hatte gar keinen Erfolg,denn die Leute wollten von den seit langer Zeit gebräuchlichen Formen und Arten nichtabweichen. Es ist überall das Gleiche; die technologische Urstufe, auf der die primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivenHausindustrien stehen, lassen sich nur mit höchster Schonung überwinden und heben;viel leichter wird bei solchen Hilfen die ganze Industrie geschwächt und depravirt.

Eine wahre Leidensgeschichte erzählt auch der Bericht von den Schicksalen derHausindustrie in Mariano, welche im Wesentlichen auf die Sesselerzeugung hinausläuft,nachdem die Kasten- und Truhenerzeugung, welche früher hier blühte, vollständig auf-gegeben worden ist. Wenn wir der mannigfachen Versuche und Kämpfe um die moderneSesseltype in kunstgewerblichen Kreisen gedenken, so berührt uns dies Widerspiel aufhausindustriellem Gebiete eigenthümlich genug, wo jahrelang um die möglichst billigeund am leichtesten transportfähige Sesseltype gerungen wurde, weil hierin das Wohl undWehe, Fortbestand oder Untergang dieser betriebsamen und hungergewohnten Arbeitergelegen war.

Günstiger als in den Alpengebieten zeigt sich die Lage der alteinheimischen Haus-industrien in den Sudetenländern, Böhmen und Mähren. Die Berichte aus dem Böhmerwaldvon Josef Taschek in Budweis, von Grulich aus der Feder von Franz Borttscheller, vonTachau( Adolf Laufke), Alt- Ehrenberg( Josef Moschke), aus dem Erzgebirge von FranzFrankl, lassen zunächst für Böhmen im Allgemeinen infolge des grossen und gepflegtenWaldreichthums und des dichteren Verkehrsnetzes bessere Verhältnisse der hausindustriellenProduction zu. Der Böhmerwald mit seinen herrlichen, rationell ausgenützten Forstengibt an zahlreichen Orten der holzverarbeitenden Hausindustrie Gelegenheit zur Entfaltung,die ohne jeden künstlerischen Charakter sich der fabriksmässigen Production nähert.Dagegen ist die Grulicher Hausindustrie von altersher durch künstlerische Neigungenausgezeichnet, welche in Weihnachtskrippen, Heiligenfiguren, Crucifixen zum Ausdruckekamen und manche Meister volksmässiger Schnitzkunst hervorbrachten. Freilich ist diese Bildhauerei leider ebenfalls schon im Zerfalle begriffen; schlechte und billige Surrogate,Erzeugnisse der Fabriken, schlagen die künstlerische Kleinarbeit der ehrsamen Hausschnitzeraus dem Felde oder was vielleicht noch betrübender ist verderben sie durch denZwang zu schleuderischer Geschwindarbeit. Ein recht freundliches Bild entrollt derBerichterstatter aus dem Erzgebirge von dem Stande der dort blühenden Holzspielwaaren.hausindustrie, deren jährliche Production ungefähr auf 800.000 Kronen veranschlagt wirdund circa 600 Familien beschäftigt. Mit fleissiger Benützung der Wasserkraft, mit Zuziehungder geeigneten gewerblichen Hilfsmittel und unter Anwendung einer weitgeführtenArbeitstheilung ist es den Hausindustriellen hier möglich, trotz der erstaunlichsten Billigkeitder fertiggestellten Waare auskömmliche Löhne zu halten. Die Haupterzeugnisse derHausindustrie sind: Füllungen für Schachtelspielzeug, insbesondere Kegel; ferner dieüberaus sauber und zierlich gearbeiteten Miniaturhaus- und Küchengeräthe, Spinnrädchenund Sandformen, die zum grossen Theile an die sächsischen Verleger gehen; fernerSoldaten, Reiter, Möbel, Dorf- und Stadthäuser, Bäume, Figuren, Thiere, Schachfiguren,ebenso auch die Schachteln und Kisten, in welche diese Sachen verkaufs- und versandt-fähig eingelegt werden.

Die mährische Hausindustrie, welche in Wallachisch- Meseritsch ihren Hauptsitz hat,producirt neben Dachschindeln fast ausschliesslich Gegenstände für den landwirthschaft-lichen und häuslichen Bedarf. Der Berichterstatter Franz Rosmaël constatirt auch hierden Zug nach maschineller Herstellung vieler Dinge, die früher Gegenstand der manuellenGeschicklichkeit im Hausindustriebetriebe gewesen sind. Die erzielten Preise scheinen unsfabelhaft gering, indessen ist die Bedürfnisslosigkeit der primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Arbeiter mit inRechnung zu stellen.