Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde7 (1901) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
7 (1901) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Marx.

Das vierte und gewöhnlich am schlechtesten gehaltene Gebäudeist das Wohnhaus, bei sehr alten Häusern noch ganz aus Holz undohne Schornstein, der sich entwickelnde Rauch muss von der Küchein» die Laab'n«, den Hausflur und erst von da durch die niederenHausthüren in das Freie gelangen. In solchen Häusern wird dieBäuerin stets geröthete und thränende Augen vom Rauche haben,in welchen sie viele Stunden des Tages bis zur Schulterhöhe herabeingehüllt ist; bei neueren Häusern oder wo eine energische Brautbei der Heirat sich den Rauchfang für die Küche bedingt, ist dieeine Ecke des Hauses, welche die Küche enthält, untermauert undder Schornstein ebenfalls aus Mauerwerk, ja selbst Sparherde findetman bereits in solchen Häusern.

Vom Flur aus führen rechts und links je zwei Thüren, eine indie am niedrigsten gelegene Küche; neben dieser, um mehrere Stufenhöher, liegt die Stube«, welche vier, auch wohl sechs, kleine ver-gitterte Fenster hat. Neben der Thüre zur Küche steht ein riesigerKachelofen, welcher fast den vierten Theil des Raumes einnimmt, indiesem wird das Brot gebacken und deshalb muss die Stube ummehrere Stufen höher liegen, damit das von der Küche aus besorgte.Heizen des Ofens wie das» Einschiessen« der Brotlaibe in den Ofenwenigstens in hockender oder kniender Stellung geschehen kann.Der Ofen ist stets mit einem Holzgeländer und einer Bank umgeben.Ersteres gehört zum Aufhängen und Trocknen der lodenen Gewänder,wenn die Männer triefend vom Regen oder Schnee aus dem Waldevon der Holzarbeit und dergleichen heimkehren, die Bank dagegenist das harte Ruhebett der Wärme verlangenden alten Leute.

In der gegenüberliegenden Ecke befindet sich der massive Tischmit blankgeriebener Platte, darüber an der Wand festgemacht» dasAltarla, ein Eckbrett, bedeckt mit rothem oder weissem ausgenähtenTuch, worauf die aufgestellten Bilder der heiligen Dreifaltigkeit, desheiligen Patritzi oder Leonhard als Viehpatron und des heiligen Florianals Feuerpatron oder des Drachentödters St. Georg sich befinden;gemalte hübsche kleine Porzellantöpfe dienen als Blumenvasen undenthalten im Sommer Gartenblumen, in den übrigen Jahreszeiten alsHochzeitsbusch'n erhaltene Kunstblumen.

Die Bank, welche an den Wänden festgemacht ist, läuft um diebeiden mit Fenstern versehenen Wände und fehlt nur, wo die Schwarz-wälderuhr hängt, um Platz für deren rasselnde Gewichte zu lassen.

Bei sehr grossem Raum ist auch noch ein zweiter Tisch vor-handen, an welchem am Sonntagnachmittag die Bäuerin und ihreMägde sitzen und mit bewundernswerther Geduld und primitivem Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivemWerkzeug die Schäden an der Wäsche und Kleidung auszubessernversuchen.

Auf dem grossen Esstische oder in der Lade desselben werdensich stets ein Brotlaib und das gut geschliffene Brotmesser befinden,