Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die Poganica und ihre Varianter.

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Wir haben bereits vorhin den Weg des Beweises angetreten,dass die Poganica beim Volke als eine personificirte böse Krankheit,ein böses Wesen aufgefasst werde; als einen weiteren Beleg hiefürkönnen wir die Sage über eine Tochter derselben anführen, wie sieA. Carić*) verzeichnete. Auf den Inseln Brazza( Brač) und Lesina( Hvar) wird nämlich erzählt, dass die Poganica, die eine heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischeKönigin war, einen Christen zum Gatten nahm und ihm eine Tochternamens Rudica oder Irudica schenkte. Während die Letztere zu einerJungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau heranwuchs, wurde der heilige Johannes der Täufer von denHeiden Glossar ::: zum Glossareintrag Heiden eingefangen und gegen den Willen des Königs eingekerkert;indessen verlobte sich seine Tochter Rudica und erhielt vom Vaterdas Versprechen, dass er ihr am Hochzeitstage das geben werde, wassie verlangen würde. Die Poganica, ihre Mutter, überredete sie nun,sie solle den Kopf des Heiligen verlangen. Am bestimmten Tagestellte Rudica diese Bitte an ihren Vater und dieser musste, wennauch mit grossem Widerstreben, dieselbe erfüllen, da er sein könig-liches Wort verpfändet hatte. Als jedoch Rudica den enthaupteten,auf einem Teller ihr gereichten Heiligenkopf mit ihren Fingernberührte, wurde sie im selben Augenblicke von einer Unmasse vonBlitzen getroffen und überdies mit Unsterblichkeit des Leibes undder Seele von Gott bestraft. Sie wurde von der Gewalt der Blitzehinweggefegt und irrt seither ziel- und ruhelos von Ort zu Ort, indemsie um ein Obdach bittet; aber kein vernünftiger Mensch wird ihrihre Bitte erfüllen, da sie fortwährend den Blitz und Donner anzieht.Bei einem Unwetter darf deshalb während des Donners kein Getreideim Hause gemahlen werden, da auf diese Weise die Rudica in das-selbe gelangen könnte, sondern man muss folgendes Sprüchlein vorsich hersagen:

Biži, biži, Rudica,**)Mater ti je Poganica,od Boga prokleta,

od svetog Ivana sapeta;

5 križ ide po nebu,

za njim diva Marija;Sinka svoga molila: Učin', sinko pravo.

Bog je dao sv. Petru ključe,

10 da otvori Višnji raj.

a u raju veselo,

a u paklo teselo."

Laufe, laufe, Rudica,

deine Mutter ist die Poganica,

von Gott verflucht,

von dem heiligen Johann gefesselt;

es geht das Kreuz am Himmel,

hinter ihm die heilige Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau;

sie bat ihren Sohn:

Schaffe, Söhnchen, Recht.

Gott gab dem heiligen Peter die Schlüssel,

um das Paradies zu öffnen,

und im Paradiese ist es lustig

und in der Hölle traurig."

Die Rudica ist dann gezwungen, in schwarze Gewitterwolkengehüllt, davonzufliegen. Es heisst, dass Gott mit Rudica Erbarmenhätte, wenn es Jemandem gelänge, ihre böse Mutter umzubringen,worauf dann die Letztere die Stelle der Rudica in den Wolken ein-nehmen müsste. Aus diesem Grunde pflegt man hie und da noch*) Glasnik, Sarajevo 1897, S. 330.

** Dialect von Brazza in der Mundart der kavcen.Zeitschrift für österr. Volkskunde. VI.

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