Der Typus einer Bauernkirche: St. Leonhard bei Neuern im Böhmerwalde. 73
tiefe Rostspuren lassen Stellen erkennen, an welchen früher Hufeisenbefestigt waren, die später wahrscheinlich gestohlen wurden. Es sindaber noch Eisen genug an der Thüre.
Wir treten über die Schwelle. Derselbe Eindruck der Dürftigkeitwie von aussen, trotz der Ueberladung mit Bildern und» Stah«( Statuen.) Gleich der Thüre gegenüber steht auf hohem Sockel eingrosser Erzengel Michael mit Helm, Waage und Schwert, an denWänden ist unter den vielen und verschieden grossen Standbildernein St. Christophorus, St. Florian, St. Wenzel, auf dem mächtigenOpferstocke eine heilige Barbara mit Schwert und Kelch, in einerNische eine heilige Familie zu erkennen. Frisch staffirt wurde ersteine grosse Muttergottes, von zwei Ordensleuten flankirt. Vergebenssuchen wir aber das Standbild des heiligen Märtyrers Sebastian, dassonst in keiner Dorfkirche unserer Gegend fehlt.
Ausser diesen zahlreichen, meist uralten Holzbildnissen, dereneinige selbst keiner unserer Geistlichen zu erkennen vermag, schmücktdie Wände noch ein Kreuzweg.
Zur rechten Hand führt eine Stiege auf das leere Chor, das nichtsMerkwürdiges bietet als auf der Vorderseite die auf die Holzwanddes Balcons gemalten Bildnisse der Apostel und darunter auf demQuerbalken eine Reihe von Namen, wahrscheinlich die der Erweitererder Kirche. Eine Jahreszahl hat man nicht hingesetzt, obwohl nochPlatz genug gewesen wäre.
Unter dem Chor steht ein alter improvisirter Tisch mit zweilangen und zwei kurzen Beinen. Auf diesem liegt eine grosse Mengeeiserner, 12-15 cm langer Votivthiere, Pferde, Kühe, Ziegen, Schafeund Bienen darstellend. Die Pferde zeichnen sich durch schlankeren,niedrigeren Bau und den Strang aus. Die Rindergestalten sind plumpund durch Hörner kenntlich gemacht. Besonders merkwürdig ist aberdie Darstellung der Bienen, die 8 Füsse aufweisen und 8-10 cm langsind. Imp. ist 1. Biene, 2. allgemein für Bienenstock. Das Ganze istäusserst primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv. Das Gesammtgewicht der Eisenmasse mag 20-30 kgbetragen. Ausser diesen Gestalten trägt das Möbel noch Hufeisen undVotivbilderreste. Votivthiere aus Wachs und da in feinerer Aus-führung, findet man auch an der Wand und an den Altären auf-gehängt. Solche finden sich auch in anderen Dorfkirchen, eiserne abersonst nirgends in der Gegend.
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Einige Votivtafeln sind als Trachtenbilder und Denkmäler derDorfkunst von volkskundlichem Interesse.
Die grösste der Tafeln ist aus Holz, bereits zur Gänze zer-fressen und verfault und in zwei Theile gebrochen. Die Vorderseitescheint von der Farbe conservirt geblieben zu sein. Nach der Reini-gung entdeckte ich eine ganz hübsche Malerei.