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Kleine Mittheilungen.
sich nämlich die Burschen mit Vorliebe als Bärentreiber, wobei einer den Bären vorstellen musste.In einen umgekehrten Schafspelz gehüllt, die Beine und Arme mit Strohbändern umwickelt, musstederselbe auf Händen und Füßen gehen, auf Commando brummen und tanzen und die wildestenSprünge machen. An gewaltige Ketten gefesselt, bot so eine Bärentreibergruppe einen gar wild-romantischen Anblick.
Am Schlusse unserer Ausführungen angelangt, möge jedoch hier noch einer Sitte Er-wähnung gethan werden, die man allerorts befolgt. Sind in dem Hause, wo Federn geschleißtwerden, heiratsfähige Töchter, so wird jeder zufällig in die Stube kommende zu dem Tische tretenund drei Federn schleißen, wobei er gewissermaßen als Entschuldigung für das eigenmächtige Ein-drängen in den Kreis der Schleißer spricht:« Ich muss nur drei Federn schleißen, dass derBräutigam nicht außen bleibt>>.
Sterbestroh in Nordböhmen.
Von Heinrich Ankert, Leitmeritz.
In der Zeitschrift« Am Urquell» VI. Bd. pag. 201 fand ich einen kleinen Aufsatz: dasSterbestroh im Bergischen. O. Schell, theilt in dieser Abhandlung mit, dass der Brauch, dasSterbestroh zu verbrennen, nur an wenigen Orten Deutschlands üblich sei.
Gar so selten jedoch scheint dieser alte Brauch nicht zu sein. Im deutschen Nordböhmenkommt er meines Wissens in einigen Gegenden vor, unter andern auch in der Markersdorfer.*)Bei dieser Gelegenheit möchte ich zuerst einiges wenige über die Todtengebräuche derdortigen Gegend mittheilen.
Wenn jemandes letzter Augenblick heranzunahen scheint, so wird ihm von dem nächstenAngehörigen eine brennende Kerze, die zu Maria Lichtmess in der Kirche geweiht wurde, in dieHand gedrückt. Die versammelten Angehörigen, das Gesinde, beten dabei kniend: Herr gib ihmdie ewige Ruhe u. s. f. Ist der Kranke verschieden, so werden ihm die Augen zugedrückt;die Kerze wird wieder ausgelöscht und für einen spätern Bedarf aufgehoben. Die Betten werdenweggenommen; der Todte wird in ein Leintuch eingeschlagen und bleibt auf dem Strohsackeliegen, bis er in den Sarg kommt. Aus dem Sterbezimmer darf der Todte vor dem Begräbnissenicht gebracht werden. Die Wäsche, den Bettüberzug des Verblichenen erhält die Person, welcheden Todten wäscht und ankleidet; in manchen Fällen aber auch die Ortsarmen. Die Särgegleichen heute ganz denen in der Stadt; es ist gar kein Unterschied mehr vorhanden. Früher,vor 50 Jahren noch, was es ganz anders. Zuerst war es Mode, die Särge mit gelber Farbe, mitOcker anzustreichen, später kam englischroth auf, zuletzt schwarz; verstorbene Wöchnerinnenbekamen einen blauen Sarg, der mit Kalk und Waschblau gestrichen war. Kinder und ledigeLeute hatten und haben heute noch weiße Särge. Ein Kreuz fehlte auf keinem. Selbstmörderwurden in einem rohen ungehobeltem Sarge in aller Stille im Walde verscharrt. Der Sarg stehtbis kurz vor dem Begräbnisse offen auf zwei Stühlen im Sterbezimmer; am Kopfende stehenKerzen. Früher war das Begräbnis stets Vormittag, gleich nachher die Todtenmesse. Wird derSarg zur Beerdigung hinausgetragen, so werden die beiden Stühle und die Leuchter umgeworfen,der Sarg über jede Thürschwelle in Form eines dreifachen Kreuzes gehoben. Ehedem wurdendie Leichen getragen, nur die Armen auf einem Bretterwagen auf den Friedhof geführt. ImSterbehause bleibt jemand daheim und« hält Haus», weil sonst der Tod im Hause bliebe. DieLeidtragenden gehen in einem geschlossenen Zuge, denn es würde bald wieder jemand sterben,wenn das Grabvolk ein Loch macht.>> Die Hausthüren an denen der Leichenzug vorübergeht,werden geschlossen, damit sich der Tod nicht hinein flüchten kann. Musikbegleitung ist meistüblich. Die Trauerzeit ist vier Wochen, nur bei den nächsten Verwandten ein Jahr.
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Das Sterbestroh nun, das Stroh des Strohsackes, auf welchem jemand verschieden ist,wird nicht zu wirtschaftlichen Zwecken, etwa zum Vieheinstreuen verwendet; es wird in den meistenFällen in der Nacht nach dem Begräbnisse im Walde verbrannt. Die Asche wird gesammelt undvergraben, damit ja nicht der Wind sie vertreibe und etwa ein Thier dieselbe mit dem Futterfresse oder sonst wie damit in Berührung komme.
¹) In der Aussiger Gegend ist das Verbrennen des Sterbestrohs nicht unbekannt. Dasselbstmuss alles, was beim Waschen der Leiche verwendet wurde, vergraben werden oder mit in denSarg kommen.