Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde4 (1898) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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4 (1898) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mittheilungen.

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hierauf in den Brantwein gelegt werden muss; dann gibt man dem Säufer von diesem Brantweinzu trinken, und nie mehr wird er Brantwein trinken.

546. Hat jemand Fieber, so ist es gut, dass er sich vom Kopfe einige Haare und danndie Nägel kreuzweise schneidet, welche dann in ein Ei gelegt werden, nachdem man es etwaszerschlagen hat, und stellt dasselbe an einem Kreuzwege hin, worauf ihn das Fieber verlassenwird.

547. Um der Typhusansteckungsgefahr zu entgehen, soll man in eine Kandel mitKrenwasser Alaun geben und von diesem Wasser trinken, was ein Präservativmittel sein soll.

548. Hat jemand Rothlauf, so soll er auf die kranke Stelle ein rothes Stoffstück auf-legen, dann neun Leinkügelchen machen, welche einzelweise angezündet auf das Stoffstück derartaufgelegt werden sollen, dass sie mit einem Ende gelöscht werden mit den Worten:< Wederein noch zwei» etc., soll sich hierauf gut einwickeln, und der Rothlauf wird verschwinden.

549. Um die Kopfschmerzen los zu werden, soll man unangefangenes Wasser oderTropfen von der Mühle in einem neuen Topfe bringen, dasselbe in eine Schüssel gießen unddann auf den Block hinstellen, auf welchem Holz gehackt wird, hierauf taucht man einen Holzspanins Wasser und berührt dann damit die Stirne mit den Worten:« Die Sonne im Wasser, dieGesundheit im Kopfe», worauf der Holzspan nach rückwärts geworfen wird.Dieser Vorgangwird mit drei Holzspänen an neun Montagen in aller Frühe wiederholt.

550. Jener, der das Eisenkraut besitzt, kann alle damit berührten Schlösser öffnen.

551. Wenn man die Binde, mittelst welcher die Füße eines Todten zusammenge-halten werden, in irgend ein Haus hereinwirft, so wird dadurch bewirkt, dass die Hausbe-wohner so fest schlafen, dass man alles aus dem Zimmer ganz getrost wegnehmen kann; wennman aber mit jener Binde noch die Thür zubindet, so schlafen die Hausbewohner solange fest,bis nicht jemand die Thür losbindet.

552. Käse, Butter und Milch darf nicht mit auf der Messerspitze genommenem, sondernmit einem Löffel eingefasstem Salz gesalzen werden, denn ansonst würden jene Artikelweniger werden.

553. Wurde irgend ein Thier von einem Wiesel gebissen, so soll man ein Wieselfellauswaschen, und dann die Bisswunden mit jenem Abwaschwasser waschen.

554. Hat ein Kind die Abzehrung, so ist es gut, dasselbe in einen einem geschlachtetenThiere entnommenen Darm einzuwickeln.

555. Bleichsüchtige werden dadurch geheilt, dass sie einige Motten in ein Getränkgeben und dann dieselben aus einem Wachsgläschen verschlucken.

556. Hat jemand eine der siebenundsiebzig Fieberarten, so soll er Schnupftabak mitSchnaps trinken und wird gesund werden.

557 Um sich gegen böse Halsdrüsen zu sichern, soll man drei Primelblüten verschlucken.558. Das Palmsonntagreisig soll man nicht ins Haus bringen, sondern es unter demDachstuhl des Stalles stecken und nur während des Donners und Blitzes damit im Hauseräuchern, damit der Blitz das Haus nicht berühre.

559. Damit die Kühe Milch geben, soll man abends in einem Gefäß Brod und Salz inden Brunnen über die Nacht hereinlassen, welches dann herausgezogen und den Kühen zumFressen vorgelegt wird.

560. Schwache Kinder soll man in einem aus Cholera- Disteln zubereiteten Bad baden,worauf sie sich erholen werden.

561. Wenn die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber aus der Kirche heimkehren, nachdem sie in die Kirche ein-geführt wurden, pflegen sie auf ein an die Schwelle gelegtes Eisenstück zu treten, damit sie sostark und fest wie das Eisen werden.

562. Der Nabel eines neugeborenen Kindes wird mit einem Zwirn aus Herbsthanfund ja nicht aus Sommerhanf gebunden, denn ansonst würden jene Kinder ohne Nachfolgerbleiben, gerade wie der Sommerhanf keinen Samen hat.

563. Man glaubt, dass die Mutter Gottes mittelst eines aus Herbsthanf angefertigtenNetzes die Seelen der Sünder aus der Hölle, unter dreimaliger Herablassung desselben heraus-fischt, und dass jene Seelen, welche sich auch beim dritten Male nicht an das Netz geklammerthaben, verloren sind.