Literatur der österreichischen Volkskunde.
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suchung des mundartlichen Sprachstoffes eröffnet wird, erreicht und dass der Plan, auf welchenNagl baut, sich als ein richtiger und dauerhafter bewähren werde.
Die beiden vorliegenden Hefte enthalten 2 Aufsätze des Berichterstatters<< PronominaleLocative» und« Partikeln und Interjectionen», 2 Arbeiten Nagl's« Der Name Wien» und« Eindrei ein vier», einen Aufsatz von A. Landau« Das Deminutivum der galizisch- jüdischen Mund-art», eine Wörtersammlung aus dem Nachlasse von H. Gradl« Zur Bestimmung des Alters derEgerländer Mundart» für den Druck vorbereitet von E. Pistl, eine« Bibliographie der deutschenMundartenforschung für die Jahre 1890 bis 1895» von F. Mentz nebst einem Anhange« Biblio-graphie des Jüdisch- Deutschen» von A. Landau, endlich Literatur, Anzeigen und Polemisches vonJ. W. Nagl.
In seinem ersten Aufsatze suchte der Berichterstatter den Nachweis zu erbringen, dassdie deutschen Interjectionen jemir, jemmich, jettich, jemine, jespas, jegerl, jessasu. a. m. syntaktische Zusammensetzungen von Pronomen und anderen Redetheilen mit einemElemente je seien, das bekanntlich auch allein als Interjectionen gebraucht wird, während manbisher das einfache je für eine Verkürzung aus jesses gehalten hat. Dieses je, im mhd. undahd. nicht bezeugt, wird auf die gotische Ausrufspartikel jai zurückgeführt und gemeinsam mitder bayr.- österr. Interjection se ahd. mhd. sê, got. sai, sowie mit der Interjection ahd. lê, ags.lá als Locativ je eines deutschen Pronominalstammes erklärt, dem die ursprüngliche Bedeutung< da>> zukommt. Im zweiten Aufsatze erklärt der Berichterstatter die interjectionale Wortgruppeder volksthümlichen Schlafliedchen heia popeia, das ringa ringa reia des Spielreimes unddie Schallinterjectionen nach dem Typus bumpa dibum. Dazu ist zu bemerken, dass jegerldoch eine einfache Diminution von je sein kann mit eingeschobenem g wie in österr. o meingerlund dass die in Rede stehende Partikel wohl auch im nhd. je nún erhalten sein dürfte. DieErklärungen des Verfassers beruhen auf der Erkenntnis, dass die Interjectionen ursprünglich sinn-gemässe Wörter oder Wortgruppen seien, bei denen auf das Lautmalende ja allerdings zuweilenRücksicht genommen ist, jedoch nicht so sehr im Sinne einer Neuschöpfung von Lautcomplexen,als vielmehr in dem einer Auswahl aus dem Vorrathe der vorhandenen Sprachmittel, wobei ins-besondere die pronominalen Elemente, als die eigentlichen Träger der interjectionalen Function,hervorzutreten scheinen. Die weit verbreitete Meinung, dass viele unserer Interjectionen keineneigentlichen begrifflichen Ursprung hätten, sondern ein blosses Nachblöcken von Naturlauten seien,soll beseitigt und dem in der geschichtlichen Sprache allein berechtigten Grundsatze<< omnis voxzum Durchbruche verholfen werden.
ex voce>>
Mit den ablehnenden Besprechungen, welche Behaghel in Giessen und Hoffmann- Krayerin Zürich über die erste Arbeit veröffentlichten, sich des weiteren zu befassen hat der Bericht-erstatter keinen Grund. Beide in diesem Theile höchst oberflächlich geschriebenen Anzeigenbewegen sich lediglich im Rahmen der altklugen Wichtigthuerei eines abgestandenen Schulpedan-tismus und verdienen, da sie zur Sache nichts beitragen, allerdings Zurückweisung, aber keinerleiBeachtung.
Herr Hoffmann- Krayer sei nur im Vorübergehen bedeutet, dass S. 13 nicht die That-sache der Umformung geheiligter Namen in Abrede gestellt werden soll, sondern nur das in demTerminus« Verhüllung» enthaltene Motiv.
Ich wende mich zu dem Aufsatze Nagl's über den Namen Wien. Derselbe bietet in-soferne ein nicht unwichtiges Ergebnis, als uns die Vorführung der slowakischen Declination Nom.Viedeň, Locativ ve Vienni neben jeden, Gen. jenného lehrt, dass in der That die slawischeForm des Stadtnamens altčechisch Nom. Wyed nye auf der deutschen beruhen kann, wenn, wiees ja wahrscheinlich ist, dieselbe im Locativ Vienni aus Wienne übernommen und zu der-selben als einer vermeintlichen Assimilation von dn nach dem Muster der wirklichen in jennéhoder Nominativ Viedně, Viedeň gefolgert worden ist. Auch darin wird Nagl Recht behalten,dass die Slawen den Namen Wienne nur als Stadtnamen, nicht als Flussnamen recipiert haben.
Dagegen ist es nicht zu billigen, dass Nagl im Laufe seiner weitausholenden Erörterungendie einmal gewonnene feste Thatsache, dass Wien der ursprüngliche Name des Flusses sei,wieder verwischt, und auch das, was er selbst für die Erklärung des Namens bieten zu könnenglaubt, besitzt leider nicht genügende Beweiskraft, um der Tradition und einem obersten topony-mischen Grundsatze entgegen den Namen der Wien, statt dem fliessenden Wasser an sich, einemmit demselben allerdings in Beziehung stehenden örtlichen Detail, einem« Graben» primär zuzu-