Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde4 (1898) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
4 (1898) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Ethnographische Chronik aus Österreich.

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Die größeren Costüme will ich beschreiben.

Gottvater: weiße Alba, rother mit Goldspitzen versehener Halbmantel, schneeweißes Haar undBart( aus Wien) und Krone. In der linken Hand Scepter.

Gottsohn: weiße Alba, rother mit Goldborden versehener Schulterkragen, goldener Stirnreifenund Scepter. Engel: weißes, langes Kleid, mit rother Seidenschärpe um die Mitte,Flügel und Stirnreifen; beim Gericht trägt er das Kreuz Christi, als Cherub hat er zum obigenCostüme noch Panzer, Schild und Schwert; bei der Verkündigung Mariä trägt er eine Lilie.Barmherzigkeit: weiße Alba, rother Halbmantel, Stirnreif und Lilie.

Gerechtigkeit: kriegerisch; Stiefel, gelbe Hose und Blouse, Helm und Schwert.

Adam weiße Hose und Blouse, sowie weißes Kapperl.

Eva nach der Erschaffung: weißes Kleid und Jacke, weißer wallender Schleier mit Kranz( herziges Sinnbild der Unschuld).

nach dem Sündenfall vor Gottesgericht statt des weißer ein langer schwarzer Schleier( auch sehr sinnig).

Maria: weißes Kleid mit dem bekannten langen blauen Übertuch.

Josef Langer alter Mantel, breiter uralter Bauernhut,*) Pilgerstab, in einem« Zöger» die kleinenZimmermannsgeräthe.

Hirten: Lodenhosen, uralte lodene Bauernröcke,*) Spitzhüte mit bunten Bändern und Ringstöcke.Kaiser Augustus: rothe Hose mit Goldstreifen, gelbe, roth eingenähte Blouse mit großensilbernen Westenknöpfen und einem geblumten Halbmantel; Helm und Schwert.König Herodes: Bekleidung wie Augustus, statt Helm und Schwert, Krone und Scepter.3 Könige weiße Alba, rother, mit Goldborten verzierter Mantel, Krone und Scepter.Page: schwarze Hose, Schwalbenschwanzrock( aus der Franzosenzeit), Zweispitz und Säbel.Schriftgelehrte: weiße Alba und die bekannte Kopfbedeckung der Schriftgelehrten aus der Bibel.Teufel schwarzes, tricotähnliches Gewand mit schrecklichen Fratzen. Lucifer und Satanhaben je 4 Hörner.

Bauer: Altes Original- Bauerncostüm( Murthal).

Wirt: ländliches Sonntagskleid mit weißer Schürze und grünem Hauskapperl.Bäuerin Altes Original- Costüm( Murthal).

Xantippe: Graues Kleid, ebensolche, grünausgenähte Jacke und grüner Spitzhut( sehr kleidsam).Folgende Personen spielen:

Alte Spieler: Johann Schlick vulgo Wolfram als Lucifer, Wirt, Kaiser Augustus, König Herodes. GabrielSeidl vulgo Zechner als Gerechtigkeit, Bürger, Räuberhauptmann Dismas und Kriegsknecht.Josef Sandler vulgo Jaunz als Gottsohn, Hirt« Hauser», Kriegsknecht und Räuber Gesmas.( Dieser ist der Anreger und Leiter der jetzigen Spiele).

Neue Spieler: Thomas Seidl als Gottvater und Josef.

Peter Purgstaller sen. als Teufel Asruth. Handwerksbursche und Hirt<< Riepl>.Peter Purgstaller jun. als Belzebub, Barmherzigkeit, Hofkanzler, König Caspar,

Genovefa Purgstaller als Eva, Maria, Xantippe, Bäuerin Rachel.( Von dieser Eva ließe.sich mancher Adam herzlich gerne verführen, und es wundert einen nicht, wenn JosephEifersuchtsanwandlungen hatte).

Alois Purgstaller als Engel, Page, Bictor( Herold).

Mathias Seidl als Adam, König Balthasar und Schriftgelehrter.Jacob Leitner als Satan, König Melchior und Schriftgelehrter.Josef Wieland als Teufel« Buzzelebuz» und Hirt< Hansal».

Einige müssen noch kleinere Nebenrollen versehen.

Das Textbuch, von Johann Schaffer anfangs der Achtziger( vor seinem Tode) geschrieben,ist erst nach Lichtmess zu haben. Wenn Sie es wünschen, so werde ich es besorgen.

Die Volkskomödianten sind alle aus der hiesigen Gemeinde und sind mit sehr aner-kennenswertem Eifer bei der Sache.

Andere jüngere Leute haben im Sinn, zu Ostern den« Egyptischen Josef» aufzuführen.Näheres muss ich erst in Erfahrung bringen.

Vor Zeiten wurde auch das< Christi- Leiden>» und« Genovefa» aufgeführt. DiesbezüglicheDaten fehlen mir, werde sie aber sammeln und sie Ihnen bei Gelegenheit übermitteln.

*) Original.

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