Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde4 (1898) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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4 (1898) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Das Schnaderhüpfel in der Iglauer Sprachinsel.

Im Salzburgischen wiederum lautet die Formel:

Zwoa rappögö( kretzige) Böckl,

A stockblintö Kuah,

Dös geit iahr iahr( ihr ihr) Våta,Wånn i's heirat'n thua.¹)

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An eine Entlehnung wird hier wohl niemand denken; ähnlicheSituationen veranlassen ähnlichen Ausdruck. Wo dies oder jenes Schnader-hüpfel zuerst in die Welt gesprungen, wird man in den meisten Fällenvergebens fragen.

Betreffs der lautlich richtigen Wiedergabe der Schnaderhüpfeln mussich die weitestgehende Nachsicht der Leser in Anspruch nehmen. Richtiglesen kann sie eigentlich nur derjenige, der die österreichisch- bayrischeMundart genau kennt. Aber gerade für diesen ist die Schreibweise etwasGleichgiltiges. Wer dagegen mit dieser Mundart nicht vertraut ist, wirdsie nicht richtig lesen, mögen sie wie immer geschrieben sein. Die eigent-lichen Schnaderhüpfeln sind durchwegs mundartlich, denn sie pflanzen sichmündlich fort; wollte sie der Bauer aufschreiben, müsste er sie in dieSchriftsprache umsetzen, denn die Mundart kann er schriftlich fast garnicht zum Ausdrucke bringen. Beim Schnaderhüpfel gilt, was beim Volks-liede überhaupt: Was sich mündlich fortpflanzt, ist mundartlich, was schrift-lich Verbreitung findet, schriftdeutsch.³)

Diese Liedlein aber, die anderswo Schnaderhüpfeln, G'stanzeln, Vier-zeilige u. s. w. heißen, gehen hier unter dem Namen Buhlerlieder, dennsie haben ja wie überall zumeist der Liebe Leid und Freud zum Inhalte.³)Um zur Geltung zu kommen, brauchen unsere Buhlerlieder den ländlichenTanzboden. Da ertönen sie bei Kirchweihen, Hochzeiten und anderen Tanz-gelegenheiten noch immer wie zu unserer Großväter Zeiten. Einzelne, dienicht mehr recht passen wollen, werden vergessen, andere wiederum werdenim Drange des Augenblickes erfunden und bleiben, wenn sie gefallen, derVergessenheit entrückt. Lustig genug geht es bei so einer Tanzmusikzu. Die Burschen haben sich's bequem gemacht, ihre Leibeln( Blousen)hängen an der Wand, und nun wird in hohen Stiefeln und Lederhosengetanzt und gesungen, dass es seine Art hat. In den Armen halten sieihre Dirndeln, deren viele Röcke sich gewaltig bauschen, wobei die drallenWaden mit den rothen Strümpfen neckisch hervorschauen. Die Röcklein,so viel deren auch sind, werden doch zu kurz, wenn alles im Wirbel sichdreht und der Bursche seinen Stolz daran setzt, sein« Dirndl» recht hochzu werfen; 5) die linke Hand muss sie rückwärts niederhalten. Das rothe,gelbgeblümte, künstlich geschlungene Koftuch baumelt, in einen Zipfelendend, weit über den Rücken hinunter, die weiße Halskrause duftet vorFrische.

1) Süß, Salzburger Volkslieder, Salzburg 1865. S. 207. 2) Die Ostereiersprüche, die derEiermaler auf das Ei schreibt, sind eben deswegen schriftdeutsch. Vgl. Piger, das Osterei in derIglauer Sprachinsel. Zeitschr. für österr. Volkskunde. Jahrg. II, S. 25. 3) Vgl. Hauffen, dasdeutsche Volkslied in Österreich- Ungarn. Zeitschr. des Vereines für Volkskunde. Jahrg. IV, S. 12.Daselbst findet sich auch S. 7 f. die Literatur über das Schnaderhüpfel. 4) Die vier bäurischenMusikanten heißen Klarfiedler, Secundspieler, Grobfiedler und Bassmann. 5) Je höher der Burschedas Mädchen beim Tanze« wirft», desto höher wächst der Flachs.