Die Frau Holle in Österreich.
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der Thomasnacht herumgehen und den Spinnerinnen ihre Strähne ver-wickeln. Die Perchtra- Baba ist in Kärnten ein Schreckensgespenst. ¹)
Als Berchta ist sie mehr die Spinnerin, als Holda die Brunnen-frau. Der Grundgedanke der deutschen Hauptgöttin ist die fruchtbareNatur. Wenn es schneit, schüttelt Frau Holle ihre Bettfedern aus, alsWolkengöttin wird sie in der« wilden Jagd» von Wodan gejagt, alsSturmesgöttin erscheint sie meist wild und hässlich. Mythologie ist Natur-religion, die später zum Aberglauben entartet. Unsere Frau hat aberauch eine sittliche Seite: sie waltet über die weibliche Arbeit, ist Wächterindes Fleißes, hat die Spindel als ihr Sinnbild, und der Holler ist ihr Baum.Als Göttin der Liebe hauset sie im Hörselberge bei Eisenach( Venusberg).Als Wolkengöttin hat sie das Reich des lebenerzeugenden Wassers untersich und weilt gerne im Brunnen. In Oberhollabrunn( V. U.Mannhardsberge in Nied.- Österreich) findet man ein Wappen, das einenSchwan neben einem Brunnen darstellt.
Holda hauset gern im« Kinderbrunnen» und ist so die große Mutterder Menschen. Sie pflegt die ungeborenen Kinder, und ihr Vogel, derStorch, holt sie aus dem Wasser, daher der Storch in NiederdeutschlandAdebar genannt wird. bar oder bär ist gleich: Träger, der Vogel istalso ein Kindbringer.
Ein Kinderlied in österreichischer Mundart lässt die Katze, Freiasgeheiligtes Thier, nach Hollabrunn( Holdas Bronn) fahren, um dort ein Kindin der Sonne zu finden:
„ Hopp, hopp, Heserlmann!
Unsa Katz' hat Stieferln an,Rennt damit nach Hollabrunn,Findt a Kindla in da Sunn,Wiä sull's hoaßen?Kizl oder Goaẞl?
Nach dem Volksglauben liegen nämlich die Kinder auf dem Wasser-grunde bei der Sonnengöttin, der Freia Holda, der Hüterin der Un-geborenen. Diese Seelchen liegen in Blütenkelchen und auf den Büschenbei Holda verborgen. Daher der Ausdruck Hollerbusch( nicht zu ver-wechseln mit Holunderbusch, der gar leicht hohl gemacht werden kann).Auf diesen Holler- oder Holderbusch bezieht sich vielleicht das Kinderlied:Ringel ringel Reihe
Sind der Kinder dreie,
Sitzen auf dem Holderbusch,
Schreien alle husch, husch, husch.
Dieses Ringel- Reihespiel endigt gewöhnlich mit dem Wegrenneneines Kindes, das durch diese Huschrufe gescheucht, also auf die Weltgebracht worden ist. Tiefer Sinn liegt oft im kindlichen Spiel.
In Nieder- Österreich( V. O. M. B.) wird oft den kleinen Kindern
vorgesungen:
1) Über den Perchtentag berichtet Waizer in den Kulturbildern aus Kärnten S. 78 bis 85.Vieles über die Percht bringt auch Schmeller in seinem trefflichen„, bayerischen Wörterbuche"I, 269 ff.