Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde4 (1898) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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4 (1898) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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und diese erscheint, soweit deutsch gesprochen wird, unter dem NamenHolda oder Holle, auch als Bertha( Perchta Glänzende). Die FormHolda erinnert an das deutsche hold oder Huld in der Bedeutung: zu-geneigt, treu ergeben, freundlich.

Auf die Frau Holle weiset auch die« Spinnerin am Kreuz» hin.Diese gothische Denksäule steht bei Wien am Wiener Berge und wirdfür eine Richtstätte gehalten, weil einst ein Galgen dort gestanden. DiesesDenkmal, wie auch die Kreuzspinnerin bei Wiener- Neustadt, hat zu einergroßen Anzahl von Mythen Veranlassung gegeben. Am wahrscheinlichstenist es der«< weißen Frau» zu gedenken, die um Wien herum im Volksmundelange gelebt hat. Am Hermannskogel hat sie gehaust, diese Frau Holleund ihr wildes Heer wird nächtens dort noch vom Volke gehört; nochfließt ihr Brünnlein am Waldesgrund, dessen Name freilich den der christ-liche Agnes annehmen musste, während er in Oberhollabrunn bisheute sich erhielt. Ich habe darüber ausführlich berichtet in meinen« Mythen»( Wien 1859 bei W. Braumüller, S. 4 bis 22). ¹) Agnes gilt alsdie Gemahlin Wodans, die in Österreich als Holke oder Bercht und nochhäufiger als weiße Frau erscheint. Sie ist die Göttin des Fleißes und derFruchtbarkeit, die deutsche Ceres; nie sieht man sie ohne Spindel, womitsie die fleißigen Mägde und Frauen beschenkt. Sie hat auch die Grenzengeschützt und Grenzmale gesetzt, die in christlicher Zeit durch Kreuzevertreten wurden. Daher die Benennung« Spinnerin am Kreuz» bei Wien.Ein solcher Grenzstein im heidnisch Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnisch- germanischen Alterthum war zugleichdie Stätte des Gerichts, als ein Priester noch des Richteramtes waltete undder Schiedsspruch noch als Gottesurtheil galt. Auf geweihtem Bodenfand der Zweikampf statt, dessen Ausgang in Gottes Hand lag. So hatsich der Brauch festgesetzt, die Grenzen der Länder und der Gemeindenzur Richtstätte für Galgen oder Rad zu erwählen. Hier ragt der Spilsteinauf; sein Name hat sich durchs ganze Mittelalter, wo Spiel gleichbe-deutend mit Gericht wird und das Rathhaus auch Spielhaus heißt, bis indie Neuzeit erhalten, in der wir in Erinnerung an die einst vor Kirchenund auf den Friedhöfen gehandhabte geistliche Gerichtsbarkeit noch denNamen Kirchspiel kennen. Statt Kirchspil( Kirchspiel, Kirspel) gebrauchtman heute mehr das Wort Parochie oder Pfarre.

Je nach der Landschaft hat die Gemahlin Wodans( Wuotans) ver-schiedene Namen: Fricka, Bercht, Holda und Hulle. 2) Sie ist die volks-thümlichste weibliche Person im deutschen Volksglauben wie auch in denVolksgebräuchen. Im Möllthal hörte ich, dass die Burschen am Sylvester-abend und vor dem Dreikönigstage als« Perechtl» sich verkleiden, vonHaus zu Haus laufen und allerlei Unfug treiben. Das ist das sog. Percht-jagen oder Berchtenlaufen. So auch in den Thälern Tirols. Im Salz-burgischen soll die« Frau Bert» mit langer Nase und weißer Haube in

1) Das Siveringer Brünnlein." 2) Man vergl. Kuhns nordd. Sagen Nr. 245, S. 370.Witschels Sagen aus Thüringen, S. 135. Zingerle's Sagen aus Tirol S. 14 und folgende. Inallen Sammlungen finden sich diese Namen.