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Kleine Mittheilungen.
« Peréstupenj wächst, wenn ihm der Ort lieb ist, hinter dem Hause oder im Garten, sobeiläufig einen halben Meter tief in der Erde. Seine Blätter sind denen des Hopfens ähnlichund ganz mit schwarzen Beeren bedeckt. Die Wurzel ist ganz so, wie ein kleines Kind, hat Kopf,Hände und Füße. Denn er entsteht aus den ungetauft ermordeten Kindern.4)Wer von der Pflanze nichts weiß und sie schneidet oder ausreißt, dem schadet sie sofort, ver-wundet ihn am ganzen Körper, so dass Blut rinnt, lähmt dem Schuldigen Hände, Füße oder denVerstand. Und aus der verwundeten Wurzel der Pflanze fließt weißes Blut.2) Dann liegt dieserMensch krank und kann auch einige Jahre krank bleiben; erst wenn er irgend wie erfährt, dassdaran peréstupenj schuld ist, dann soll er ein Brotscherzel, ein Stück geweihter Butter und einenKreuzer nehmen, dies alles neben die Pflanze legen, damit die verwundete Stelle der Pflanzeberühren und schmieren und dann den peréstupenj um Verzeihung bitten. Dann soll er ihn mit der Erdeumgraben und es wird ihm schon besser werden.³) Manchmal wenn man beim Zäunen mit dem Pfahl
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auf den peréstupenj stoßt, so muss man sofort innehalten, den Zaun auseinandernehmen und um diePflanze die Erde umgraben.- Peréstupenj verwandelt sich manchmal in ein Kind. Er springt dannaus der Erde heraus, setzt sich auf den Zaun oder auf irgend einen Pflock, hebt eine Hand und einen Fußhinauf und sitzt. Und dann verschwindet er wieder und man weiß nicht wohin. Wo diesePflanze wächst, dort bringt sie Glück und Reichthum. Wenn ihr aber der Ort unangenehmwird, dann geht sie weg, an einen anderen Ort. Die Leute achten sie sehr und rühren sie nichtan. Wer die richtigen Worte zu sprechen weiß, der kann den peréstupenj ungeschadet aus-reißen. Das ist ein sehr theueres Kraut, man verkauft es sogar in die Apotheken, und dortweißt man schon, wozu es gut ist.>>
Außer dieser volksthümlichen Erzählung habe ich meiner Abhandlung über die Mandra-gora noch folgende Nachträge anzuschließen:
Zur S. 365, Fuẞn. 1.- Dass der čechische Hauskobold manchesmal aus einer Zaun-rübe entsteht, bestätigt auch Dr. Hanuš Máchal Nákres slovanského bájeslovi. Prag, 1891,S. 98.- Zur S. 358. Die Entstehung einer Pflanze aus dem Menschen- oder Thiersamen gehörtzu den ältesten Vorstellungen orientalischer Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischer Culturvölker. So z. B. berichtet der Bundehesh,eine iranische heilige Schrift aus der Zeit der Sassaniden, dass, nachdem die Erde durch dasZeugungsglied des von Ahriman erschlagenen Stieres befruchtet wurde, aus ihr 55 Arten Brot-pflanzen und 12 Arten Heilpflanzen gewachsen sind.( Kap. X.) Auch ist aus dem Samen desersten, ebenfalls von Ahriman erschlagenen Menschen ein Baum gewachsen, aus dessen Zweigenwieder zwei Menschen entstanden sind.( Kap. XV.) Vgl. M. Dragomanow, Zabělěžki wrchusławjanskitě religioznoeticzeski legendy in Sbornik za narodni umotworenija, nauka i knižnina,Sophia, VIII( 1892), I. Abth., S. 280.
Zur S. 360, Fußnote I.- Nach einer swanetischen Sage hat die heil. Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau em-pfangen vom Apfel, welchem Gott seinen Geist eingehaucht, und den die Engel ihr überbrachthaben.( Dragomanow, ibid. S. 308-309.) Eine Sage der ungarischen Rutenen erzählt, dassdie Berge und besonders das Karpathengebirge aus dem von Gott gestreuten Hanfsamen entstandensind.( Vgl. Besieda, literarische Zeitschrift, Lemberg, 1892, Nr. 12, S. 132.)
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Schluss der Redaction: 20. Februar 1897.
¹) Vgl. meine Bemerkung über diese Kinder ibidem, S. 355, Fuẞnote.
2) Vgl. ibid. S. 354, Fußnote 1.
3) Vgl. ibid. S. 354.
Druck von Gebrüder Stiepel in Reichenberg.