Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Sitten und Gebräuche im südwestlichen Mähren( Landbezirk Znaim).

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nicht im Wirtshaus, wie es öfter geschieht, gefeiert, wo in einem Neben-zimmer getanzt werden kann, sondern im Brauthause, dann werdenMöbel und alle entbehrlichen Einrichtungsstücke hinausgeschafft und derTanz beginnt. Er wird mit einem Ehrentanze der Braut mit dem ältestenJunggesellen eröffnet. Dann tanzt der Vater der Braut mit derselben,später kommen die Beistände zu einer Tour mit der Braut, dann diePathen und endlich der Bräutigam. Jetzt gesellen sich die Junggesellenmit den Kranzljungfern Glossar ::: zum Glossareintrag  Kranzljungfern dazu, und der allgemeine Tanz hat begonnen.

Gegen 10 Uhr nachts erschallt von der Straße lärmender Gesang:Die Ortsburschen kommen nach dem im Wirtshause eingenommenen<< Bschoadessen» mit den Dorfschönen, um im Brauthause die ihnen ge-bürenden 3 Tänze zu absolvieren. Nachdem die« Irknburschen» wiederins Wirtshaus zurückgezogen sind, wird der Tanz bis Mitternacht fort-gesetzt.j

Um Mitternacht werden die Tafeln abermals gedeckt, und nursaure Speisen aufgetragen. Zumeist kommt nach der Suppe sauer bereiteterHase. Diese Mahlzeit heißt« Trugsoß». Die Braut legt um 12 Uhrnachts den Brautkranz ab. Nach kurzer Unterbrechung wird dem Tanze bisfrüh gehuldigt. Wer weggeht, lässt sich einen Tusch blasen und zahltdafür den Musikanten gewöhnlich 1 fl. Vormittags wird geschlafen. Von2 Uhr nachmittags geht das Essen und Tanzen von neuem, wenn auchohne das für den ersten Tag bestimmte Ceremoniell, los. Den 3. Tagrichtet man sich den Magen in einem Weinkeller ein. Die Hochzeit,respective Trauung findet immer am Dienstag¹) statt. In manchen Ort-schaften bleibt die Braut, respective die junge Frau noch einige Zeitnach gefeierter Hochzeit im Hause ihrer Eltern. Sonst holt man ihreGeräthe schon den 3. Hochzeitstag ohne besondere Feierlichkeit in dieWohnung ihres jungen Gemahls ab.

Interessant sind die Hochzeitsgebräuche der alten JudengemeindeSchaffa. In vielen Stücken klingen sie an die schon bei den anderenGemeinden erwähnten Veranstaltungen an, sind also dem deutschenElemente des Bezirkes entlehnt. Früher wurde bei den Trauungen derJuden in Schaffa der Sterbeanzug getragen. Derselbe besteht aus mantel-artigem Rock von feiner Leinwand und einer Mütze aus weißem Atlas.Der sogenannte Sterbeanzug wird vom Cantor, Rabbiner und denAroniden( Kohanim) schon am israel. Neujahrstage zur Zeit des Gottes-dienstes getragen, während andere Israeliten sich nur am Versöhnungs-feste damit bekleiden.

Bei Trauungen wird ein Glas, beim« Gwissmachen» eine hübschePorcellanschale zerbrochen, dies nach Ansicht der jetzigen Juden darum,um dem Übermaß der Freude und dem daraus vielleicht erwachsendenÜbermuth Einhalt zu thun.

1) Der freie Germane heiratete nur am Dienstage, der dem Kriegsgotte geweiht war.Hochzeiten, welche an einem anderen Tage der Woche als Dienstag gehalten werden, heißenimmer noch«< lausig».