Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
2 (1896) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

3

I. Abhandlungen.

Volksnachbarliche Wechselseitigkeit.

Eine Anregung von J. Alex. Frh. v. Helfert.

In der sehr anerkennenden Besprechung von Hauffen's« Sprach-insel Gottschee» p. 58 f. des I. Jahrg. unserer Zeitschrift wird ein Punktnur leicht berührt, der doch gerade in unserer Zeit und für die Zieleunseres Vereins von einer großen Bedeutung ist. Ich meine die Wechsel-beziehungen in Sitten und Gebräuchen, Sage und in Lied von Volk zu Volk,besonders wo die unmittelbare Nachbarschaft ein sehr begreifliches Binde-glied abgiebt. Von einer« Abhängigkeit» des einen dieser Nachbarvölkervom anderen, wie Dr. J. W. Nagl andeutet, wird dabei gewiss nicht dieRede sein können, wohl aber von Gegenseitigkeit. Dr. Hauffen, dessen« Erläuterungen und Anmerkungen» zu den Gottscheer Liedern einen fort-laufenden Beweis liefern, wie umfassend die Studien waren, in die er sicheingelassen, aber auch wie ernst es ihm um sachliche Beurtheilung vor-liegender Parallelen zu thun ist, bedauert es mit Grund, dass wir keinebefriedigende Sammlung slowenischer Märchen und Lieder haben, wo sichohne Zweifel analoge Berührungen mit und Herleitungen aus deutschenStoffen offenbaren würden. Hauffen erklärt einzelne Gottscheer Liederfür unverkennbar slawischen Ursprungs, z. B.« Jung Hänschen» Nr. 63,« Zukulo» Nr. 74, die« Meierin» Nr. 10; mitunter für« fast wörtliche Über-setzung eines slowenischen Liedes», z. B.« Wer wird dich trösten?» Nr. 92,« Der junge Priester» Nr. 97. Er bringt auch gelegentlich die Gründe fürseine Behauptung vor; siehe z. B.« Die schöne Meierin» Nr. 45, die er alseine einfache Umgestaltung des verbreiteten südslawischen Volksliedes vonder schönen Vide( vila?) erkennt. Mohren Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohren, sagt er, sind im deutschenVolksliede selten, bei den Süd- Slawen häufig; Entführung von jungenFrauen und Mädchen durch Andersgläubige ist etwas in deutscher Tradi-tion ungewöhnliches, in der südslawischen bei der dortigen Mischung derConfessionen und Nationalitäten, namentlich Türken, ein altbekanntes Thema.Die völkerverbindende Gegenseitigkeit zwischen den Bewohnern der Gott-scheer Sprachinsel und der umwohnenden slawischen Bevölkerung trittin einzelnen Fällen sehr merklich hervor. Für« Maria und ihre Mutter»Nr. 13, bildet ein slowenisches Volkslied aus Kärnten« Mornar» ein< Zwischenglied zwischen der deutschen und der Gottscheer Legende»( S. 391); für das im deutschen Kuhländchen nur zum Theil erhaltene Liedvon der Kindsmörderin Nr. 79 findet sich die nothwendige Ergänzung inder slowenischen Ballade Kozarčík. Zu Nr. 121« Für die Jünglinge undMädchen» spricht Hauffen S. 446 die Meinung aus,« dass das slowenischeLied aus dem Deutschen stammen dürfte, dann selbständig ausgeführtseinerseits auf die Gottscheer Volkspoesie zurückgewirkt habe.»>

Einen Gegenstand prüfenden Vergleichs in dieser Richtung bildenauch die sog. Mysterien, Weihnacht-, Dreikönig-, Oster- Spiele in den

I*