zeigen, wie
Sitten, Bräuche und Meinungen des deutschen Volkes in Steiermark.
nach P. K. Rosegger
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der Steirer die Sitten der Vor-
väter mit dem Cultus der Christen vereinigt, dass er nebst dem Sacramenteauf dem Altare seine Hausgötter hat, die er feiert und denen er opfertdurch alle Zeiten des Jahres und des Lebens.
Weihnachten voran geht der
Advent.
Dieser beginnt mit dem vierten Sonntage vor dem Christtage undgilt als eine Vorfeier des Weihnachtsfestes, als eine Zeit, in der man sichdurch fleißiges Beten, durch Fasten und sittsamen Lebenswandel auf dieAnkunft des Erlösers vorbereiten soll.Allgemein verbreitet. ¹)
In der Adventzeit ist der Himmel offen. Wem das Glück wohlwill, kann in dieser Zeit manches erfahren, was sonst gewöhnlichenMenschen verborgen bleibt. Doch muss man sich darauf würdig vor-bereiten.
( Aus Eisenerz.)***
Bezüglich der Witterung im Advent herrscht ziemlich allgemeinder Glaube, dass, wenn das Wetter kalt und streng, es so dreimal sechsWochen anhalten soll; dann wird ein gesegnetes Jahr.
( Aus Eisenerz u. a. O.)***In der Adventzeit soll man keine« Rorate»( Frühmesse) versäumen,auch wenn der Weg und das Wetter noch so schlecht sind.
( Ebendaselbst.)***
Wenn die Haus- und Dienstleute am ersten Adventsonntage indie Rorate gehen, erhalten sie gewöhnlich ein besseres Frühstück alssonst. In den Gegenden des oberen Murthales erhalten die Leute stattder gewöhnlichen« Schottsuppen» einen Kaffee, sogenannten« Rorate-kaffee». Im steirischen Mittellande gibt es eine eigene« Roratesuppe*.***
Im Hinterberg( d. i. das Thal zwischen dem Grimming und zwischenAussee) und in manchen Gegenden des Ennsthales ist es Brauch, amersten Adventsonntage eine Wurstmahlzeit abzuhalten; man nennt diehiebei verzehrten Würste« Roratewürste».²)
In vielen Gegenden des Oberlandes, z. B. zu Kallwang im Liesing-thale u. a. O. ist es Sitte, in der Adventzeit zwei Bildwerke oder Gemälde,darstellend den hl. Josef und die hl. Maria, ersteres von Jünglingenletzteres von Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrauen getragen und begleitet, von Haus zu Haus zubringen; es geschieht dies die ganze Adventzeit hindurch. Jeden Tagwerden die Bilder in ein anderes Haus gebracht, da wird alsdann gebetetund des Nachts über eine brennende Lampe davorgestellt. Am letztenAdventtage wird das betreffende Bild in das Haus eines Wohlhabendengebracht und daselbst die Andacht mit einem Schmause beendet.
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Manchen Orts bestehet eine eigene Muttergottes- Bruderschaft, derenMitglieder in der Adventzeit über eine Nacht das Bildnis der hl. Mutter-gottes bei sich beherbergen. In Eisenerz begeben sich der Träger des
1) Die hier mit*** bezeichneten Mittheilungen beruhen auf persönlichen Beobachtungen,beziehungsweise wurden dieselben direct aus dem Volksmunde übernommen,
2) Ferd. Krauß,« Die eherne Mark.» I. B.
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