Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde49 (1944) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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49 (1944) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Jahrhundertwende nur noch spärliche Reſte des einst so beliebtenBrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums.

Mit der Induſtrialiſierung geht im 19. Jahrhundert die Auf-lösung des alten, wohlgeordneten bäuerlichen Familien- und HoflebensHand in Hand, nachdem bereits zur Zeit der Aufklärung der schonerwähnte Justus Möser sich veranlaßt gesehen hatte, die altväterischeGewohnheit, mit seinem Gesinde in einem Rauche zu leben", zu ver-teidigen. Neben der Zeitung bringt auch das Schrifttum eine Auf-lockerung des dörflichen Gemeinschaftslebens mit sich, indem die Viel-heit der Interessen und der Bildungsunterschied unfruchtbare Span-mungen in der Hofgemeinſchaft erzeugen, die bislang gemeinſam Arbeitund Feier erlebt hatte. Die Schilderung eines Abends in einemMarschenhofe, wie sie uns Hermann Allmers aus der zweiten Hälftedes vorigen Jahrhunderts vermittelt, iſt ein Zeugnis für viele.

Wir erkannten an dem Bericht Justus Mösers den Wert desharmonischen Familienlebens für das Weiterleben des finnvollenRätsels. Das heutige Bauern- und Familienleben ist kaum noch be-fähigt, neue Rätsel zu schaffen und alte traditionell fortzupflanzen.Wenn heute in städtischen Familien Rätsel gelöst werden, sind es faſtnur noch Kreuzworträtsel und andere Schleifsteine des Verſtandes,in denen ſtatt der entzückten Anschauungen eines Gegenſtandesum mit Goethe zu reden das begriffliche Element" die Oberhandgewonnen hat. Wie bezeichnend für die geistige Struktur unſererheutigen Gesellschaft ist doch der Wandel von dem die Gemeinſchaft,das Wir", fordernden Sinnrätsel zu dem sich nur egozentrisch auf dasEinzelwesen beschränkenden Kreuzwort- und Silbenrätsel!

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Im vorweihnachtlichen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum lebt das Rätsel in den Klöckel-oder auch Anrollnächten, womit die Nächte der drei Donnerstage vorWeihnachten gemeint sind. Welch seltsames Leben und Treiben trittuns in diesen Nächten entgegen! Junge Burschen zogen vermummtund mit Rollen, halbrunden Schellen, behängt noch 1840 um Tit-moning in Oberbayern umher, riefen gewöhnlich mit der Anrede Vetterl Rätsel in die Häuſer hinein, und die Leute im Hauſe wiederandere heraus. Jm Sarntal in Tirol soll dieser Brauch unter demNamen Klöckelnächte noch heute lebendig sein. Beide Bräuche ſtimmenim Grundsäglichen überein. Mit einem Ansinglied zum Preis derHausfrau hoffen die Klöckler auf die Herausgabe von Bratwürftenund ähnlichen leiblichen Genüſſen. Aber die Hausbewohner, die bäuer-liche Familie mit ihrem Gesinde, läßt sich nicht so schnell dazu be-wegen, die für die Klöckler schon bereit ſtehenden Gaben herauszu-