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Die Brechelbrautmutter gibt dem ungestümen Drängen des„ Ritters" nicht ohne weiteres ſtatt, ſondern stellt ihm eine Reihe vonRätseln, die mehr Rätselfragen sind und wieder an jenes schon er-wähnte Traugemundslied des 14. Jahrhunderts erinnern. Der„ Ritter" löst diese Frage oder überbietet sie wie der Jüngling in denKranzliedern, der eine ihm unmöglich dünkende Frage durch eineähnlich schwierige auszugleichen suchte. Zu einer solchen scheinbar un-möglichen Forderung der Brechelbrautmutter gehört u. a. die, er ſolleeine goldene Brücke über den Tisch schlagen. Der„ Ritter" nimmt dieAufforderung wörtlich und wirft einige Taler auf den Tisch, überdie die Brechelbrautmutter ſchreitet und ihm als Belohnung die Brautübergibt. Der Sinn der Auslieferung der Brechelbraut iſt: der„ Ritter" verspricht,„ daß die Flachsernte des folgenden Jahres neyn-fachen Ertrag liefern und Menschen wie Tiere gedeihen und fruchtbarwerden sollen."( Graber.)
Mit dem Flachsanbau und seiner Bearbeitung ist aufs engstedas Spinustubenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Spinustubenbrauchtum verknüpft, das in die Zeit von Novemberbis Fasnacht fiel. Die Spinnstube selbst die Namen dafür wechselnin den deutschen Landschaften fann uns hier nur so weit angehen,als sie uns etwas als Pflegeſtätte der Volksdichtung bedeutet. In ihrwechselte das Rätsel ab mit Lied und Erzählung. Aus dem Grundemöchte ich die Spinnſtube als die Stätte bäuerlicher muſiſcherBildung und Erziehung bezeichnen. Jugend und Alter beiderlei Ge-schlechts beteiligte sich am Rätselraten.„ Die kleinen Kinder liefenvon einem Schoße zum anderen". ſchildert uns Juſtus Möser dasLeben in einer osnabrückischen Spinnſtube ,, und der Vater genoßdes Vergnügens, welches Ordnung und Arbeit gewähren, mittlerweileer ſeine Hände bei einem Fisch- oder Vogelgarn beschäftigte und ſeineKinder durch Fragen und Rätsel unterrichtete. Um alles mitwenigem zu sagen, so waren alle notwendigen Verrichtungen in dieſerHaushaltung so verknüpft, daß sie mit dem mindeſten Zeitverlust, mitder möglichsten Ersparung überflüssiger Hände und mit der größtenOrdnung geschehen konnten; und die Spinnſtube war in ihrer Anlageso vollkommen, daß man durch dieselbe so viele Absichten auf einmalerreichte, als möglicherweise erreicht werden konnten." Hundert Jahrespäter stellt Eduard Kück von den Lebensformen des Volksrätſels inder Lüneburger Heide Ähnliches feſt; es sei nämlich zu der geistigenNahrung zu rechnen, die das heranwachsende Kind dem Elternhauseverdankt. Wir können hier also von dem Rätsel als einem Mittelgliedzwischen der Überlieferung der Erwachsenen und der Kinder sprechen.