Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde49 (1944) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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49 (1944) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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im städtischen Denken. Der deutsche Süden dagegen birgt wie derNorden eine Fülle von Rätselformen.

Die Verbreitungsgebiete des Rätſels ſagen zwar kaum etwas überdas Leben dieses Volksgutes innerhalb der Gemeinschaft und überseine Bedeutung für den Volksmenschen aus. Sie zeigen aber demVolkskundler an, wo er ſeine Arbeit mit Aussicht auf Erfolg anſeßenkann. Leben gewinnt das Rätsel jedoch nur in der engen Zuſammen-schau mit dem Jahres- und Lebenslauf- Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum.

A. Das Rätsel im Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum des Jahres.

Schon im Fasnachtsbrauch tritt uns das Rätsel entgegen. InKärnten kann sich, wer ins Faschingstreiben hineingerät, durch Liederoder Rätsel vom Lösegeld, d. i. dem Blochzins in Geſtalt von Geld,Zucker und Schnaps, befreien. Dadurch bleibt ihm üble Nachrede fürdie nächste Zeit erspart.

Im südlichen Böhmen begegnen wir bis zum Ende des 19. Jahr-hunderts einem eigenartigen Brauch, der sich ebenfalls z. Zt. derFaſenächte abspielte. Da zogen Schwerttanzgeſellſchaften von einemDorf zum anderen, und es kam nicht selten vor, daß zwei odermehrere vor einem Dorf zusammentrafen. Jede erhob den Anspruch,im Dorfe spielen zu wollen, gab es doch als Lohn Getreide! BeideParteien blieben in einiger Entfernung voneinander ſtehen, ſeztendas in Säcken aufbewahrte Getreide auf den Boden nieder und bildetenbeiderseits darum einen Kreis. Der Hauptmann der Gesellschaft, diedie andere nicht ohne weiteres ins Dorf ziehen lassen wollte, tratvor und fragte den Hauptmann der zweiten Schwerttanzgeſellſchaft,ob er sich ergeben wolle. In diesem Falle mußte das Getreide derfordernden Partei ausgeliefert werden. Ergab sich der Angegriffenenicht, stellte ihm der Herausforderer Rätsel, die aber so ausgeklügeltwaren, daß dem Natenden die Lösung selten gelang. Denn der Her-ausforderer wurde dabei noch durch den Foschai, den Narren derGeſellſchaft, unterstützt. Gelang es dem Hauptmann nicht, die Nätselzu lösen, so steckte man die Schwerter in den Boden, die Musik fingan zu spielen, beide Hauptleute begannen miteinander zu raufen undschließlich beteiligten sich noch beide Schwerttanzgesellschaften daran.

In die Oſterzeit, in der das Leben, der Frühling, den Tod, denWinter, überwindet, weist ein in Schlesien geübter Brauch. Man wirſtein Ei, das Zeichen des keimenden Lebens, übers Haus, daß es Segenbringe.