Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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den Eindruck, als bedeute der Tag der Hochzeit auch einen Bruch indem so innigen Verhältnis, das zwischen dem jungen Mädchen unddem Baum früher bestand.

Es würde hier zu weit führen, in Einzelheiten das Fortleben desBaumes in der Volkskunst zu verfolgen. Ich habe mich darüber ineinem Versuch über den Baum als Symbol der Frau in der Volks-kunst"( Jahrbuch Volkswerk" 1943) verbreitet. Den Ergebnissen diesesAussages entnehme ich folgende für unseren Zusammenhang wichtigeFeststellung. Da wir das Baum- Zeichen insbesonders im Schmuck undauf fast allen Geräten der Frau antreffen, dürfen wir den Schlußwagen, daß vom Tage der Verehelichung an das Volkskunstmotiv, Baum" an die Stelle des natürlichen Baumes tritt. Es begleitet vonnun an die Frau in ihrem Dasein und trägt zur Charakterisierungihrer Eigenart bei.

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Unsere Zeugnisse, die wir im Rahmen einer Übersicht zu einemGesamtbild zu vereinen suchten, entstammen größtenteils dem 19.Jahrhundert. Die zu Ende dieses Jahrhunderts übermächtig werdendeIndustrialisierung hat nicht allein vielen der hier beschriebenen Bräu-chen die Lebenswurzel abgegraben, sondern auch die einfachen, meistaus Holz gearbeiteten Werfformen durch metallene ersetzt. Auf diesenist aber kein Weiterleben mehr für Volkskunstmotive. Wir stünden sovor einem Trümmerfeld volkstümlicher Überlieferung, wenn nicht ausunserer Gegenwart neue Antriebe kämen. Das einfachste Baum- Zeichen,den Dreisproß, sehen wir z. B. im Abzeichen des Deutschen Frauen-werks wieder aufleben. Mag dem Dreisproß als Man- Rune heutzu-tage auch mehr Sinn der Erneuerung des Lebens gegeben werden, ſosteht dies an sich zu der Tatsache, daß er dem Bereich der Frau zu=gehört, in beinem Widerspruch. Die Frau als Mutter ist eben Be-wahrerin des Lebens und Hüterin des Volkstums.

Das Donauweibchen.

Wiener Sage und Neudichtung.

Eine kritische Betrachtung von Leopold Schmidt, z. Zt. im Felde.

Die Volkskultur einer Großstadt ist kein so einheitliches Gebilde wie dieeines Dorfes. Die Wachstumsprozesse der Großsiedlung bringen Sprünge undRisse zwischen den einzelnen Schichten der volkhaften überlieferung mit sich,lassen breite Ströme fremden Gutes einfließen und gleichen wieder einge-ſchmolzene Beſtandteile mit altheimischen aus, so daß ein vielschichtiges, buntesGebilde entsteht, das nur behutsam zergliedert werden darf, will man die Her-kunft und das Wesen seiner Teile erforschen. Besonders vorsichtig muß mandabei an die Untersuchung mancher Altschichten herangehen, die mit dem täg-lichen Leben in keiner organischen Verbindung mehr stehen und dennoch aufirgendeine Weise immer wieder einwirken können. Es sind dies weniger dieSchichten des bäuerlichen Erbgutes an Sprach- und Glaubensgut als die alt-städtischen, örtlich gebundenen Reste von Volksrede und Volksdichtung. Jene