Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Grünzweige aufbewahrt und auf einen ehrwürdigen Plak im Hauſe( oder auch am Dachboden) gestellt; man glaubt, daß dies als Abwehrgegen Blizeinschläge( in das Gebäude) oder gegen Hagel( in Feldern)wirksam sei.

Für die ganze Karwoche ist das ſtrengste Faſten vorgeschrieben;niemand darf in diesen Tagen eine Fleischspeise genießen. Alle imHause haben aber Vieles und Verschiedenes für die Osterfeier vorzu-bereiten. Männer und Frauen gehen oft in die Kirche, wohnen ver=schiedenen Andachten bei und nach den firchlichen Vorschriftenbeichten und empfangen sie das hl. Abendmahl.

Am Karmittwoch, Gründonnerstag und Karfreitag besucht manauch die Vesper; nach der Andacht und gemeinsamen Gebeten( in Bolan der Insel Brač singt man dabei schöne altertümliche geistliche Volks-lieder) wird mit Ruten und Rutenbündeln auf die Kirchenbänke ge-schlagen. Dabei sind mit besonderem frohen Eifer die Kinder tätig; siesagen, daß sie dabei Korizma( das Fronfaſten- Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib) wegtreiben;oder anderswo: daß sie den schlechten Herodes prügeln.

Im Kroatischen Hügelland( Hrvatsko Zagorje) muß ein jedesHaus von innen wie von außen weiß( mit Kalk) getüncht sein; dasHaus soll zu Ostern blitz und blank bewillkommnen! Es wäre die größteSchande, das eigene Haus ohne eine solche Weißtünchung vor Oſternzu belassen.

Die Tage vom Gründonnerstag bis zu Ostern sind Feiertage,obwohl sie nach kirchlichen Verordnungen nicht gebotene Feiertage sind.Niemand darf während dieser Tage eine Feldarbeit verrichten; erwürde eine Todsünde begehen, wenn er die Erde berührte, da doch indieſen drei Tagen der hl. Körper des Heilands in der Erde begrabenIng.

Überall werden am Gründonnerstag, nach den Gloria-Geſange,während des Hochamtes in der Kirche die Kirchenglocken angebunden;statt des Läutens in den letzten drei Tagen der Karwoche wird dasVolk zur Andacht gerufen, und so auch die übliche Tageszeit( amMorgen, am Mittag und am Abend) durch das Ratschen mit beson-deren Ratschvorrichtungen im Kirchenturme angekündigt. Die Kinderlärmen zur selben Zeit mit ihren kleinen Ratschen, und zwar mitgroßer Freudigkeit. Unter den kajkavischen Kroaten beſteht eine sehralte überlieferung, nach der die Glocken während dieser Tage nachNom abfliegen.

Am Gründonnerstag errichtet man in der Pfarrkirche, meiſtensan einem Neben- Altar oder in einer Seitenkapelle das Grab Gottes.