Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Abhandlungen und kleinere Mitteilungen.

Die Osterbräuche der Kroaten.

Von Božidar Širola, Agram.

( Mit 5 Abbildungen.)

Bei allen christlichen Völkern

so auch bei den Kroatenfeiert man Oſtern als das größte Jahresfest neben Weihnachten. ZurWeihnachtsfeier wird die Adventzeit als Vorbereitung betrachtet; zurOsterfeier die Fronfaſtenzeit. Das kroatische Wort für Fronfaſten: Korizma" entſtand aus dem lateinischen quadragesima, d. h. dievierzig( Tage); das soll das vierzigtägige oder auch große Faſten( wie man es mancherorts benennt) bedeuten; während dieser Tagedauert die Buße Zeit, es verstummen alle frohen Lieder, kein Freu-densest mit Tanz-, Spiel- oder Gesangsveranstaltungen darf ſtatt-finden. In diesem kurzen Abriß sind nur einige charakteristische undaußergewöhnliche Osterbräuche der Kroaten angeführt.

Als unmittelbare Vorbereitung zur Osterfeier werden nur dieVolksbräuche in der Karwoche betrachtet; dies ist die leßte Fronfaſten-Woche, beginnend mit Palmsonntag. Am Palmsonntag ſeiert man inchristlichen Kirchen die Erinnerung an den festlichen Einzug desHeilands in Jeruſalem. An diesem Tage singt man während des Hoch-amtes, und zwar nach der Prozession oder nach dem Umzug um dieKirche, manchenorts( ſo im Kroatischen Küſtenlande), sehr alte geiſt=liche Volkslieder. Nach dem Hochamte werden grüne Zweige( manfeiert doch, dominica in palmis") eingesegnet; manchenorts ſind dasschön geflochtene Palmchen(= palmice), so genannt nach ihreräußeren Ähnlichkeit mit wirklichen Palmblättern-; man flicht sie so,daß man an einer dünnen, biegsamen Rute in regelmäßiger Anord-nung die schmalen und länglichen Blätter vom Olivenbaume anbindet.Andernorts sind es Sträußchen aus grünen Zweigen und blühendenKornelkirschenruten oder Weidenkäßchen. In der Umgebung desStädtchens Samobor windet man schöne Körbchen aus friſchenGrünzweigen. In Dalmatien glaubt man, daß man durch diese Grün-zweige die Einsegnung auf Felder, Wiesen und Weingärten übertragenkann; deswegen werden solche Grünzweige auf die Felder, Wiesen undWeingärten getragen und dort belassen. In Gebieten, welche die Kajkavischen" Kroaten bewohnen, wird ein Teil der eingesegneten