Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Bretterbam und Bretterkliam.

Von Hausa Schmiedl, dz. Stein i. Krain.

( Mit 1 Tafel.)

Vorbemerkung: Für das Wissen vom Holz, das unser Kärntner Alpen-volk hat, kommt im Nachstehenden bis auf unbedeutende ſtiliſtiſche Glättungendessen eigene bedächtige Ausdrucksweise zum Wort.Der Schriftleiter.

Der Bauer, Bergführer und Gastwirt Péter Oberdorfer vulgo Hansile inWinkl bei Heiligenblut versteht sich auf diese Sache gut und hat mir darüberwie folgt, gründlichen Aufschluß gegeben:

Einen für Dachschindel geeigneten Baum nennen wir nicht Schindelbaum,sondern Bretterbaum und die Dachschindel nicht Schindel, fondern Dachbretterund ein Schindelscheit Brettermusel. Das Schindelbeil heißen wir: Bretter-hackn. All diese Namen sind dem Heiligenbluter von alters her geläufig. GuteBretterbäume muß man ſuchen an der Sonnſeite in ziemlich trockenem Gebietund so gut als möglich im Hochwald, denn die Hochwälder liefern ein vielHaltbareres Holz als die Heimwälder. Im sonnseitigen und mehr trockenemStandplaß wächst das Holz viel langsamer und bekommt daher die viel feinerenJahresringe und gerade der Bretterbaum soll möglichst feine Jahresringehaben. In der Schattenseite und bei nassem Grund wachsen dieſe Lärchen-bäume viel schneller und weisen dann recht große, ungleichmäßige Jahresringeund viel weißes, also viel Splintholz, auf. Man nennt diese Bäume: Gras-lärchen. Diese lassen sich sehr schlecht spalten und sind für Dachbretter un-brauchbar; sie wären auch bald faul und täten sich in der Sonne zu ſehr ver-ziehen. Alſo zuſammenfasſend ſei gesagt, daß der Bretterbaum ein feinjährigesHolz und möglichst wenig Splintholz haben soll. Mit dem allein ist es abernoch nicht getan, er muß auch gerade gewachsen sein und sich gerade spaltenlassen und darf hübsch weit hinauf keine Äste haben( Wir sagen: er muß sichgrad floibm laſſn, oder er muß kradklübig" sein. Kloibm heißt spalten). Derneuere Heiligenbluter ſagt kliabm, der ältere kloibm. Nicht jeder Baumläßt sich spalten, wenn er auch feinjährig und gerade gewachsen ist, er kannaber verdreht, also nachsonnig oder gar ein Spindelbaum sein.

Der Bauer erkennt mit seinem klugen Bedacht, wenn er das Äußere desBaumes mustert, fast ganz verläßlich, wie ſein Inneres, ſein Holz beschaffen ist.

Die wichtigsten Merkmale der Brauchbarkeit der in Frage kommendenBretterlärchen find folgende: Gerader Wuchs, möglichst wenig und nur kleineÄste, welche gerade, also möglichst waagrecht oder aufwärts stehen, aber ja nichthängend sein sollen. An der Rinde ist zu beachten, ob die Furchen und Riffesenkrecht stehen oder immer zu Spitzbogen zuſammenlaufen oder ob sie schiefnach einer Seite hin verlaufen oder gar eine Schraubenlinie bilden. So wie dieRinde gewachsen ist, so auch das Holz: ein Baum mit geraden Mindenfurchenwird sich gerade spalten lassen, ein anderer aber kein brauchbares Dachbrettergeben. Doch verläßt man sich nicht auf das Auge allein; bevor der Baumgefällt wird, hackt der Bauer einen Ast herunter, spaltet ihn und sieht genau,ob er gerade gegangen ist oder nicht und kann sich dann sagen: wie der Aftgegangen ist, so geht auch der Stamm! Also, hat sich der Ast gerade spaltenlaſſen, ſo wird sich auch der Stamm gerade spalten laſſen. Zur letzten Kon-