Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

6

Daß bei Umzügen oder auch zur Einleitung eines Lanzes die Straßeoder der Tanzplatz von einem Maskierten mit einem Besen gekehrtwird, finden wir als uralten Brauch überaus häufig verbreitet; wurdedoch dem Befen und allen Handlungen mit ihm schon immer besondereBedeutung zugeschrieben ¹). So führen z. B. die Villinger und Rött-weiler Wuste" einen Reisigbesen im Zuge mit2), ebenso der Låp, deroft im Aufzug der Pinzgauer Schönperchten mitzugehen und dieStraße zu fehren pflegte 3). Beim Achteltanz" in Abtenau( Tennen-gau) wird die Einleitung des Tanzes von einem Manne besorgt, derder Auskehrer" heißt; er ist in ein Hanswurſtkostüm gekleidet undträgt eine Larve oder gar einen überlebensgroßen Kopf. Als Ersterläuft er auf den Tanzplaß, treibt die Zuschauer zurück, wobei er balddie Umſtehenden mit dem Besen leicht schlagend berührt, bald die Be-wegungen des Auskehrens macht 4). In ähnlicher Weiſe trägt auch inSchottland der Anführer den Guiſars an manchen Orten einenBesen voran, mit dem er dann einen magischen Kreis ausfegt, umdarin mit seinen Gefährten zu tanzen. Die Huttler von Hall in Tiroltreiben Ulk damit, daß sie bei ihrem Lauf die Begegnenden mit kotigenBesen tüchtig abkehren. Den Scheinen- oder Schellenschlägern in Lansauf dem Mittelgebirge bei Innsbruck geht bei ihrem taktmäßigenSchreiten mit wiegender Bewegung des Oberkörpers, daß es beijedem Schritt einen Schnall tut", ein Vorläufer voran, der mit einemſtumpfen Besen den Takt gibt 5). Der Glaube, daß Kehren Übel ab-wehre, war von jeher im Volke tief verankert. Sicherlich lag also auchdem Auskehren unseres Maschkerers der Sinn zugrunde, vor Beginnder festlichen Unterhaltung den Tanzplak ſymbolisch zu reinigen undmit dem Umschreiten im Kreise alles von außen Drohende abzuhalten.

Jeder der Maschkerer ist bemüht, die Verkleidung fo kunstgerechtdurchzuführen, daß er von niemandem erkannt wird). Meist sind dieBurschen als Mädchen verkleidet, die Mädchen aber tragen Männer-kleidung 7). Der erste Tanz gehört den Maskierten und nachher erstdürfen die anderen zu tanzen beginnen. Zwischen den Tänzen wirdVier und Tee getrunken, die Bäuerin bietet Brot, Speck und Äpfel an.

1) Handwörterbuch d. D. Aberglaubens, Bd. 1, S. 1131.

2) R. Wolfra mi, Schwerttanz und Männerbund, Kassel 1938, S. 246 ff.a) H. Lager und J. Peter, Perchtentanz im Pinzgau, Wien/ Leipzig1940, S. 9.

4) J. Peter, Der Achtel- oder Maschkerertanz, D. Deutsche Volkslied.In Vorbereitung.

5) Handwörterbuch d. D. Aberglaubens, Bd. 1, S. 1182. L. v. Hörmann: Tiroler Volksleben, Stuttgart 1909, S. 12 u. 14.

6) Vgl. K. Adrian, S. 236.

7) Val. F. V rodinger, S. 124.