Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
48 (1943) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Abhandlungen und kleinere Mitteilungen.

Die Tracht des Ochsenfurter Gaues in Main- Franken.Von Maria Weith, Wien.

( Mit 3 Tafeln.)

Nicht weit von der Stadt Würzburg liegt das alte StädtchenOchsenfurt am Main, flankiert von mittelalterlichen Türmen undStadttoren. Rundum breitet sich der Ochsenfurter Gau über fanfte,weinbewachsene Hügel und kornreiche Niederungen. Dort, wo der Tier-bach in den Main mündet, zieht sich ein Tal dem Bach entlang, das erstvon wäldigen Hügeln beengt, ſich allmählich zu einer breiten, nur Feld-frucht tragenden Niederung ergeht. Kleinere und größere Dörfer liegeneingebettet zwischen den Kornfeldern. Nur die hohen roten Dächer derfränkischen Bauernhäuser, die noch altes Gut an Sitten, Sprache undTracht bergen, unterbrechen die Landschaft. Lange ging durch diesesTal keine Eisenbahn, darum erhielt sich hier am längsten die reine Artder Unterfranken. Der fruchtbare Boden und die unermüdliche Kraftdes fränkischen Bauern füllen die großen Scheunen bis zum Giebelvoll. Dieser Ernteertrag war mitbestimmend beim Bau der Häuser,die meist stockhoch und mit geräumigem Dachgeschoß, einer großen undmehreren kleinen Kammernimern versehen sind. Der Unterbau ist aus Bruch-ſteinen, der Oberbau aus Ziegeln. Die ganz alten und die kleinerensind Fachwerkbau mit Riegelfeldern. Breitſpurig und prall ſtehen ſieum die gotischen oder barocken Kirchen herum; diese bergen herrlicheAltäre und Schnikfiguren, die entweder aus der Schule TillmannRiemenschneiders oder gar von ihm selbst ſind, oder in der Barockzeitvon den Schnitzern der Karthäuserklöster gemacht wurden. AuchBauernhäuser tragen vielfach Statuen, die fränkische Künstlerhände ge-schaffen haben. Innen im Haus dient eine große Stube als Tagraumfür alle. Die kleineren Kammern gehören zum Schlafen und bergendie Spinde, Schränke und Truhen, die den Schatz an Wäsche undKleidern verſchließen. Und daran gab es keine Not! Denn als Heirats-gut kam mit dem Brautwagen außer Vetten, Wiege und Spinnrockendas Spind( Wäscheschrank) und die Truhe mit Kleidern, die ſo zahl-.reich und gediegen waren, daß sie das ganze Leben der Bauernfrauhindurch reichten und noch weiter vererbt wurden. Es war echte Seidemit Gold- und Silberborten, Wollstoff und der feinſte Samt. Die