Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde47 (1942) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
47 (1942) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Abhandlungen und kleinere Mitteilungen.

Wiedergänger und Menhire.

Von Alexander Seracsin, Wien.

( Mit 1 Abbildung.)

Die Frage nach Sinn und Zweck der Menhire, dieser ganz eigen-artigen vorgeschichtlichen Steindenkmäler, ist ungeklärt und vielfachumstritten; die Lösung umso schwieriger, als mit dieſen Steinenmannigfache, oft zeitlich weitgetrennte volkstümliche Anschauungen ver-bunden sind. Demgemäß mangelt es nicht an Deutungsversuchen. Sowill man in ihnen Grabsteine, primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Idole, Ruheplätze der imRaume sich bewegenden Seele, Darstellung und Wohnung Verstorbenerund andere Dinge mehr erblicken. Doch scheint für die Beurteilung desganzen Problemes nicht ohne Bedeutung, daß wir in den Wiedergänger-als auch in den Menhirsagen auf eine Reihe ganz beſtimmter, gleich-artiger Vorstellungen stoßen, auf die an der Hand einiger Beispielenäher eingegangen werden soll.

In der Grettirsaga ¹) wird erzählt, daß Thorhalls Knecht Glamin der Julnacht von einem Gespenste erschlagen wurde. Seine Leichewar schwarz wie Hel, geschwollen wie ein Ochse und so schwer, daß sievon den Pferden auf ebenem Gelände nicht von der Stelle gebrachtwerden konnte. Die Leiche wird liegengelaſſen und mit Steinen bedeckt.Bald darauf beginnt der Spuk in Thorhalls Haus. Glam reitet auf denDächern, treibt sein Unwesen in den Stallungen, tötet Menschen undTiere. Am meisten wurde die Tochter des Bauern heimgesucht und eskam dahin, daß fic daran starb." Schließlich bezwingt Grettir den Un-hold und schlägt ihm den Kopf ab. Die Leiche wird zu kalten Kohlenverbrannt und an einem entlegenen Ort vergraben. Soweit die is-ländische Sage.

Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt ein ausführ-licher Bericht über den Wiedergang des verstorbenen BürgermeistersJohann Kunze aus dem Städtchen Pensch oder Bentſchin²). Auch hierbeginnt der Spuk gleich nach dem Tode Kunzes. Die Wittib hatte esam schlimmsten, denn sie durfte sich ohne Gefährten auch bei Tag kaumin ein Gemach begeben, so war der Geiſt allenthalben sichtbar und wolltesie sogar nötigen. Auch andere Frauen wollte er notzüchtigen. Gegen

3) Thule, V, 1922, S. 91 ff.

2) R. Kühnau, Schlesische Sagen, 1910, I, S. 175 ff.