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in denen von Abenteuern mit Drachen die Rede ist. Immer sind aberauch hier die Drachen feindliche Wesen, so wie etwa in dem sieben-bürgischen Märchen„ Der goldene Vogel", in dem der jüngste Bruderdrei Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrauen von Drachen befreit.( Haltrich, SiebenbürgischeMärchen, Nr. 7.) Es iſt ja an und für sich belanglos, wann ein Märchenzum ersten Mal bezeugt ist, denn es ist meistens schon lange erzähltworden, bevor es in die Literatur eingegangen ist. Jedenfalls sehenwir in einer der ältesten literarischen Fassungen unseres Märchens,wie es der provenzalische Dominikaner Johannes Gobii Junior schonum 1300 erzählt( Mitteilungen der schlef. Gef. f. Volkskunde, Heft 20,11), daß das erste große Abenteuer, das der Held bestehen muß, einKampf mit einer Schlange ist. Und nun zurück zu unserem Märchen.Daß der jüngste Bruder den Drachen, der in der Unterwelt hauſt, nichttötet, ſondern von ihm gerettet wird, ist eine ganz eigentümliche Ver-drehung, die motivisch nicht begründet werden kann. Es ist seltsam,daß sich eine ebensolche widerſinnige Verdrehung in dem türkischenRoman von Sajjid Batthāl( Vgl. G. Hüfing, Beiträge zur Roſtahm-fage( Sajjid Batthāl) Leipzig 1913, S. 31 ff.), in den ein Türke dieiranische Heldenſage von Roſtahm bearbeitete, wiederfindet. Noftahm,jener Held, der dem Siegfried unserer germanischen Heldenſage ent-spricht, ist der Drachenkämpfer schlechthin. Wie uns in dem türkischenRoman erzählt wird, wird er von seinen neidischen Gefährten in einenBrunnen geworfen. In diesem Brunnen haust ein Drache, deſſen Augenhell schimmernd brennen. Jeden Tag fährt der Drache ins Freie. Eineſolche Ausfahrt benüßt Noſtahm, indem er sich an die Füße und an denSchwanz des Drachen anhängt, und er gelangt so glücklich an die Ober-welt. Es wird ihm aber dabei ſo heiß, daß er faſt verſengt wird. Undin unserem Märchen? Wie kommt es dazu, daß der Königssohn demDrachen Schwefel ins Ohr steckt( und wohl auch anzündet)? Standhier vielleicht nicht auch einmal, daß das Feuer vom Drachen aus-ging und den Helden fast verbrannte? Ich bin vollkommen überzeugt,daß weder die Erzählerin noch ihre Vorfahren den türkischen Romangekannt haben. Aber der Märchenforscher ſieht die Gleichläufe und ersucht die Verbindung. Wir werden wohl kaum annehmen dürfen, daßjener östliche Stoff auf unser niederösterreichisches Märchen unmittelbareingewirkt hat, aber wir sehen in der Gleichheit der Motive ursächlicheZusammenhänge. Wir sehen hier wie dort, wie ursprünglich Sinn-volles zerstückelt und verdreht werden kann, wenn die lebendigen Kräftedes Mythos, aus dem es entstanden ist, erſtarrt ſind.