Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde41 (1936) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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41 (1936) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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einen Kreis, in dem sie die herrlichsten Evolutionen mit unglaublicher Präcisionund Schnellkraft vollführen, wobei ihnen die Schläge der Füße auf demhölzernen Boden den sicheren Tact geben.

Abwechselnd im Tanze lassen sie ihre Glocken plötzlich ertönen, diesie im Nu wieder schweigen machen; zum Schlusse begleitet den Tanz eineGeige oder Klarinette, die durch den künstlichen Dreyschlag und die Be-hendigkeit ihrer Füße die bewegliche Gruppe freundlich erhöht.

Es ist das Berchtenlaufen, das Trestern und der Dreyschlag; ihreKleidung und Tanz erinnerte mich lebhaft an die Tänze der Indianer Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianer, wie ichsic in Bildern sah. Sie ziehen von Pfarre zu Pfarre, begrüßen die besserenHäuser, wo ihnen die Mühe des Tanzens mit Branntwein und Brod gelohntwird, und kehren dann friedlich wieder zu ihren Arbeiten zurück.

Alt und Jung, Groß und Klein läuft diesem uralten Volks- Schauspielezu, weidet sich fröhlich an den Sprüngen der Tresterer, freuet sich über dieBerchten, und belachet den Hanswurst."

Die hübsche Schilderung lehrt, daß sich das Trestern währenddes letzten Jahrhunderts nicht wesentlich verändert hat. Dasstädtische Museum in Salzburg besitzt zwei alte Zeichnungen derTresterer), auf denen die Kleidung in guter Uebereinstimmung mitder heutigen Tracht zu sehen ist. Auch das Springen kommt gutzur Darstellung. Auf der Zeichnung von Rattensberger sind übrigensauch Vermummte zu sehen, deren einer gleich den vielen Dämonen-auskehrern einen Besen hält. Unsere Dämonengruppen bestehen fastregelmäßig aus Schönen und Schiachen und zwar sind die Teil-nehmerzahlen ganz gewaltig. In seiner Beschreibung des ErzstiftesSalzburg( 1796) berichtet Hübner, daß ein Pinzgauer Perchten-zug regelmäßig aus 100 bis 300 Vermummten bestand und MarieAndree- Eys n zählte 1902 in Hofgastein noch 16 Knappen-perchten nebst ebensovielen Gesellinnen( Burschen in Weiber-kleidern Glossar ::: zum Glossareintrag kleidern) und 56 Vermummte5). Behördlicherseits versuchte manimmer wieder, die Schiachen zu unterdrücken, da sie sehr wildwaren und in der Ekstase unheimliche Leistungen vollbrachten6).Aus dem Großarltal berichtete mir Frau Stöffelmeier vomLaufen der Perchten, das so unheimlich war, daß die Frauen beimEindringen der Maskierten in die Häuser Reißaus nahmen und zuihren Männern ins Wirtshaus flüchteten. Als die Perchten auch dorthin4) Abbildungen bei F. v. d. Leyen, Volkskunde in Bildern, BayerischeHefte für Volkskunde 1916, Seite 8 und 9.

5) Volkskundliches. Aus dem bayrisch- österreichischen Alpengebiet.Braunschweig 1910, Seite 170.

6) Ein Verbot stammt aus dem Jahre 1730. 1763 wurde Peter Kaes-leitner von St. Martin bei Radstadt wegen verbotenen nächtlichen Perchten-laufens assentiert. In Gastein wurde um 1900 das Laufen verboten und dieStraße durch Gendarmen abgesperrt, jedoch ohne Erfolg.