Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde38 (1933) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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38 (1933) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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stellt?). Die Rede des ,, Kaplan"( in S ,, ein geistlicher Herr") ist Prosa, deshalbnicht in die Verszählung mit einbezogen; sie stimmt fast genau mit H über-ein( wo sie aber bis weich sind" noch der Rede des Engels an-gehörten). Der Tod tritt in L noch vor der Predigt auf, während er in S nachder Predigt den Abschluß des gesamten Spieles macht, in H aber fehlt. Erfindet sich auch im Breitenbacher Spiel, dessen Jedermannszenen ent-sprechend; auch bei Kärntner Umzügen wird er erwähnt10).

Wahrscheinlich aber ist diese Gestalt doch nicht in den Adventumzügenursprünglich, sondern wohl erst aus den Moralitäten" des 16. Jahrh. ein-gedrungen; vielleicht wurde durch sie auch eine ältere Schreckgestalt ver-drängt. Die Worte des Todes stammen aus dem Liede Der grimmig Todmit seinem Pfeil" 11), welches in einer sehr großen Anzahl von Spielen ver-wendet wurde; an die Liedzeilen sind einige Formeln angeknüpft, welche nurder Allgemeinheit des Todeswortes Ausdruck verleihen sollen 12).

Die Luziferpredigt stimmt mit den Predigten der beiden verwandtenSpiele sehr genau überein; der wichtigste Unterschied neben der Versverwerfungist das Fehlen jeder Erwähnung des Thrones sowie der Thronbesteigung.Eingeschoben jedoch ist ein kurzer Dialog zwischen Luzifer und dem,, Ehteufel", der in der Handschrift bezeichnender Weise in Klammer steht;er konnte also entweder manchmal ausgelassen werden, ober aber hatte derSchreiber eine verblaßte Erinnerung an ein anderes Spiel überhaupt, welchessich nur hier äußert. Bei H tritt dieser Eheteufel dagegen bereits im eigent-lichen Spiel zu Anfang auf. Die Verse 86 und 87 finden sich auch im Ober-uferer Paradeisspiel 13), nach dem Sündenfall, vor und werden dort näherausgeführt; dasselbe gilt für das dem Oberuferer Spiel sehr verwandte

Triebener Paradeisspiel 14).

Aus dem Breitenbacher Spiel seien nur einige Parallelen zu V. 49, 50angeführt:

,, Von einer Christenlehr will man auch nichts mehr wissen,Man ist nur immer auf das Zeitliche beflissen."

,, Fangt ein Christenlehr oder Predigt an,

So laufens schon alle gleich davon."

Leider hat Schnell eine zu dem Spiele gehörige Luziferpredigt nichtveröffentlicht 15).

9) Aehnlich: Ennstaler Reiftanz( ,, D. D. Volkslied" 1929, Seite 66),Gasteiner Reiftanz( R. Pramberger, Steirische Tanzlust, Z. d. D. u. Ö. A.V., 1924, Seite 133), Obersteirischer Reiftanz( A. Schlossar, Cultur- undSittenbilder aus Steiermark, 1885, Seite 102).

10) G. Graber, Deutsche Einflüsse in Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum, Sitte und Sage derKärntner Slowenen( Wiener Z. f. Vk. 1931, Seite 6 f.).

11) Ph. Wackernagel, Das Deutsche Kirchenlied, 5 Bd., Nr. 1557,Str. 18. Verwendung etwa in: Liezener Nikolausspiel( Schlossar, a. a. O.),Moosburger Totentanz( G. Graber, Der Kärntner Totentanz, 1924), Ober-* berger Jedermann( G. Graber, Kärntner Paradeisspiele, Seite 33), Johannes-berger Jedermann( A. Karasek, zu: Karpathenland, 6. Jg., Seite 133, undL. Schmidt, Karpathenland, 5. Jg., Heft 1).

12) Ueber die Verwendung dieser Formel im mhd. Schauspiel:

L. Wirth, Die Oster- und Passionsspiele, 1889, Seite 165.

13) F. Klein, Das Oberuferer Paradeisspiel, Seite 19.14) Unveröffentlicht; im Archiv des Mus. f. Vk., Wien.15) Schnell, a. a. O., 4. Heft, Seite 86.