Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde38 (1933) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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38 (1933) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Die Schwägerin des Graf Michl teilte mir mit, daß er dieRindlan, die von den Zaunrâggln"( waagrecht liegende Fichten-stämmchen der Ringzäune) herabhängen und die der Wind wachtlt", die tannenen und lärchenen Tschurtschn"( Zapfen),Teile von einem Pilfasast, Ameisenpech, ferner Schoß- oder Pilfas-schmelchn", eine auf der Alm wachsende Grasart( vermutlichRoten Schwingel), und Weizen zunächst gedörrt und dann in derHausmühle zu Stupp( Pulver) gemahlen habe. Zu dieser starkschmöckenden Stupp" gab er noch Goldmyrrhen und Staubzucker,ehe er sie auf die etwas gesalzene Glut schüttete12).

Für die Zusammensetzung der Pilvesstupp besteht also einegewisse Freiheit. Einzelne Besandteile sind bekannte und beliebteVolksheilmittel. Das Kardobenediktenkraut( Cnicus benedictus,Benediktenkraut) wird wegen seiner stärkenden Kraft und alsBittermittel geschätzt¹³); man gibt es auch den Kühen ein: Kore-benedikt mâcht n Butter recht dick" oder Korabenedik mâcht nRahm gel( gelb) und dick" sagt man in St. Oswald. Hanf wird seitder Antike zu Räucherungen als narkotischer Dampf verwendet14);getrocknet und mit Zuckerrauch erwärmt, wird Hanfweg aufrheumatisch affizierte Gelenke gelegt15; in Oberschlesien undBöhmen gebraucht man Hanfdampf als Fiebermittel16). DemAmeisenpech, den von den Ameisen in ihren Häufen zusammen-getragenen Pechkörnlein, wird große Heilkraft zugeschrieben. AuchSalz findet in der Volksmedizin vielerlei Verwendung, u. a. gebähtund in Säckchen heiß aufgelegt gegen Zahnschmerzen¹7). Ebensoist die Myrrhe ein altes Heilmittel; Goldmyrrhe und Zucker mußtedie Wöchnerin, um leichter zu schwitzen, einnehmen, wenn sie,wie es in unserer Gegend früher üblich war, etwa eine Woche nachder Entbindung das auf primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Weise bereitete Schwasbâd"( Schweißbad) nahm. Die Verwendung von Mehlsäcken zur Ein-hüllung des kranken Körperteils ist auch anderorts gebräuchlich18).Zucker, Salz und Mehl, hier als seelenkultliche oder dämonen-

12) Eine Schachtel mit Pilfasstupp, wie sie von der Mühle kommt,fand sich im Nachlaß des Graf Michl; einen Teil davon habe ich mit einemPilfasast dem Museum für Volkskunde in Wien übermittelt.

13) Dr. H. Richter, Unsere Heilpflanzen, Klagenfurt( 1921), 94.14) M. Höfler, Volksmedizinische Botanik der Germanen, 98 f.

15) Hovorka- Kronfeld, a. a. O., I, 196.

16) H. d. d. A., III, 1437.

17) Hovorka- Kronfeld, a. a. O., I, 373.

18) Hovorka- Kronfeld, a. a. O., II, 284.