Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde37 (1932) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
37 (1932) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

11

stacken in der Lehmschichte, ohne daß die Haut verletzt worden wäre.Um dieser die appetitliche Bräune zu geben, wurde das Huhn noch ein wenigin Speck eingeschlagen und gebraten.

Handelte es sich auch in diesem Fall um die Sonderkenntnis einesKoches, denn kein Nachfolger pflegte diese Art der Zubereitung oder wollteetwa von ihr wissen, so hat man doch hierin jene alte Methode zu erkennen,nach der vor allem Fische in einer Tonumkleidung gekocht wurden³).

Literatur der Volkskunde.

J. v. Negelein: Weltgeschichte des Aberglaubens.1. Die Idee des Aberglaubens, sein Wachsen und Werden. 373 Seiten. Berlin,Walter de Gruyter u. Co. 1931.

Geboten wird in dem Buch eine anregende und flüssig geschriebeneUebersicht über die Grundideen des Aberglaubens, die an einem reichen, ausaller Welt zusammengetragenen Stoff erläutert werden. Zur psychologischenEinführung in diese Probleme ist diese Einführung gewiß schätzbar, sie istwohl auch aus Vorlesungsheften hervorgegangen. Eine Weltgeschichtedes Aberglaubens kann sie aber mangels jeder geschichtlichen Einstellung,auch dort, wo es sich um historisch geschichteten Stoff handelt, nichtgenannt werden und hätte Kritik daran am besten durch den Titel gar nichtherausgefordert. Sieht man schon von der Notwendigkeit geschichtlicherDurchdringung des europäischen primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Aberglaubens, der in Beispielenimmer wieder aufscheint, ab, da der gleiche Verlag das, Handwörterbuchdes deutschen Volksaberglaubens eben jetzt ausarbeiten läßt, so liest sichzumal der Abschnitt ,, Indischer Aberglaube" wie alle anderen von keinerleiSchriftennachweis oder Quellenübersicht beschwert nur für den Laien oderangehenden Studierenden sonderlich ersprießlich. Der Wissenschaftler wirddaraus, abgesehen von selteneren Beispielen, die er freilich kulturgeschichtlichimmer wieder erst einordnen muß, wenig ziehen. Besprochen wird der Aber-glaube in seinen Beziehungen zu Religion und Wissenschaft nur ganz bei-läufig, am meisten zu typologischer Abrundung gelangt sind die Ausführungenüber die Gefühlsbetontheit des Aberglaubens, seine Verknüpfung mit denKörperempfindungen, einzelnen Körperteilen und der Körperlichkeit im all-gemeinen. Die Vorstellungen vom Tod, Bestattung, Magie und Zauberhand-lungen werden nach den herkömmlichen Anschauungen betrachtet. Auf eineklare Definition des Aberglaubens läßt sich der Verfasser- begreiflicherweisenicht ein. Die gelegentliche Gleichsetzung von Aberglaube und auch imrationalen Geistesleben vorkommendem Irrtum möchten wir uns nicht zueigenmachen.A. Haberlandt.

_

Herbert Freudenthal: Das Feuer im deutschen Glaubenund Brauc h. 571 Seiten, 2 Tafeln und 15 Textabbildungen. Berlin, Walterde Gruyter 1931.

Eine so umfangreiche Stoffsammlung, wie die vorstehende rund um dieBenützung des Feuers und seine Zuordnung zum volkstümlichen Weltbild

3) A. Haberlandt a. a. O. 329.

2*%