Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

54

erreichen sie einen Umfang, daß man sie über den Kopf bringt undum den Hals, oder nach Art der Brautkränze um die Stirne legenkann. Ursprünglich dienten sie als Votive gegen Kopfweh, jetzt hatsich nach Mitteilung des Dorfpfarrers bei der Bevölkerung die Sitteherausgebildet, sie sich am Patroziniumsfeste, dem einzigen Tage,wo alljährlich der Concurs stattfindet, in der Sakristei zur Opferungauszuleihen. Die spezielle Zwecksetzung scheint verlorengegangenzu sein. Der Brauch wird ganz allgemein, sei es als Heil- oderbloßes Präventivmittel geübt. Auch Votivkerzen werden mitunterdargebracht. Sie werden gewerbsmäßig hergestellt, sind mit ver-schiedenen Verzierungen versehen und tragen ein Gnadenbildnisaufgemalt; auch sind sie öfters mit blauweißroten Streifen, denLandesfarben, geschmückt, ein merkwürdiges Zusammentreffen vonReligion und Nationalismus.

Ich komme im folgenden auf eine weitere Art von Opfergabenzu sprechen, die einen Uebergang zwischen Wachs- und Holz-votiven darstellen und in verschiedenen Orten Sloveniens vor-kommen. Ich wurde auf sie aufmerksam gemacht, durch fünf imMuseum von Ljubljana vorhandene eigentümliche Pferdevotive, vondenen ich eines gegen Tausch für meine Sammlung erwerbenkonnte. Wie die Abbildung, Tafe! II, 8 zeigt, handelt es sich umäußerst primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Bildungen, die aus der Hand gefertigt wurdenEine mehr oder minder dicke Wachsschicht ist um ein einfaches ausKorkoder Holz bestehendes Innere gelegt; letzteres bildet sozusagenden Rahmenbau, das Gestell, das der Wachsmasse den nötigen Haltgibt; die Beine bestehen aus roh geschnittenen Holzstäbchen, vondenen das Wachs schon zum Teil abgefallen ist. Die Mähne und derSchweif sind aus Wolle oder Seide in verschiedenen Farben, diedem weichen Wachs eingepreßt sind. Es sind dies sämtlich ältereStücke, die aus Begunje( Oberkrain) und Koprivnik( Wocheiner-Gegend) stammen und am Stephanstage geopfert werden. Außerdiesen als Seltenheiten zu bezeichnenden Objekten besitzt dasMuseum noch eine Reihe von typischen Wachsvotiven, wie sie inden Lebzeltereien hergestellt werden und oben beschrieben wurden.

Auf meiner Reise im Juli 1928 gelang es mir, noch weitereFundorte für die beschriebenen Votive auszukundschaften: derslovenischen Geistlichkeit, die mir, so oft ich auch in verschiedenenPfarrhöfen vorsprach, stets in liebenswürdigster Weise auf meinediesbezüglichen Fragen Auskunft gab, sei auch an dieser Stelle