Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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gestellt werden, sind noch überall bekannt, wenngleich ihrGebrauch besonders seit dem Kriege stark zurückgegangen ist;eine derartig weitgehende Verbreitung wie bei uns, haben sie wohlüberhaupt niemals gehabt; nach Ansicht der Fachleute( ich ver-danke vor allem Herrn Professor Tkalcic, Direktor des Ethn.Museums von Zagreb wertvolle Aufschlüsse) ist der Brauch erstin der Gegenreformation von Deutschland her eingeführt worden.Daß er kein ursprünglicher, sondern importierter war, läßt sichauch aus anderen Gründen erkennen. Während bei uns, von einigenallerjüngsten Degenerationserscheinungen abgesehen, die Formenaus kunstvoll geschnitzten Modeln, die bei den menschlichenFiguren oft die kleinsten Details der Trachten hervorarbeiteten,gegossen wurden, sind hier die Holz- oder Gipsmodel im allge-meinen weitaus primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver. Man erkennt dies an den fertigenFiguren, welche mit Verzicht auf alle Einzelheiten der Kleidungusw. nur die ganz einfachen Umrisse der dargestellten Objekte er-kennen lassen und vorne und hinten gleich aussehen, so daß mangerade noch die Art des Gegenstandes, z. B. ob Mann oder Frau,aber gar keine Einzelheiten mehr erkennen kann. Tafel I, 2-7.Jedenfalls trifft dies für viele derartige Erzeugnisse, wie sie mir ausZagreb, Ljubljana und Recica bekannt wurden, zu; bessere, mehrden aus Andree bekannten Formen gleichende Votive kommen inKarlovac vor, wo ich u. a. eine Kröte mit dem MonogrammMariens erwerben konnte. Die zur Darstellung gelangenden Gegen-stände weisen nicht entfernt die Mannigfaltigkeit auf, wie sie ausdeutschen Wachsziehereien bekannt sind. Das mir zu Gesicht ge-kommene Material setzt sich zusammen aus männlichen und weib-lichen Figuren, Wickelkindern, Köpfen, Augen, Ohren, Armen,Beinen, der Kröte und dreierlei Arten von Haustieren, Pferden,Rindern und undefinierbaren Kleintieren. Weder die durch Kleidungund Größe bedingten Spielarten innerhalb der betreffenden Figurenselbst, sind in den einzelnen Geschäften vorhanden, noch auch dievielerlei bei uns üblichen Objekte, wie Eingeweide und anderesmehr, ja nicht einmal die obenangeführten Dinge besitzt einGeschäft auf einmal; meistens beschränken sich die Vorräte aufMänner, Frauen, Arme, Beine, Augen und indifferente Haustiere.Als Material wird meistens gelbes oder braunes noch stark nachHonig riechendes Wachs verwendet. All dies läßt erkennen, daßdie ganze Sitte nur in abgeschwächtem Maße Eingang gefunden hat.

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