Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

50

lichen Substanzen ganz erheblich. So dringt z. B. der östliche,orientalische Glossar ::: zum Glossareintrag orientalische Einfluß auf dem Gebiete der Tracht und bei den inder Textilindustrie Anwendung findenden Ornamenten und Musternaußerordentlich weit herauf, andere Einflüsse fast ganz ver-drängend; ein Blick ins ethnographische Museum von Zagreb tutdies zur Genüge kund. Meine oben vorgenommene, ungefähre Ab-grenzung ist derjenigen angegliedert, die Dr. Vurnik im Etnolog1928 anläßlich der Bearbeitung der diversen Bauernhaustypen zog.Diese Grenzen haben, von kleineren Verschiebungen abgesehen,auch für die Verbreitung der verschiedenen Votive und WeihegabenGeltung. Ein weiterer, wesentlicher Faktor allerdings kommt nochhinzu: Er besteht in der konfessionellen Gliederung des Volkes.Hier macht sich der östliche Einschlag seitens der griechisch-orthodoxen Konfession und für Bosnien und Herzegowina auch desMohammedanismus Glossar ::: zum Glossareintrag Mohammedanismus, die allem Votivkulte abhold sind, vor-wiegend negativ bemerkbar; das Opferbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Opferbrauchtum gelangte eigent-lich nur bei den römisch- katholischen Volksteilen, von welchem dieGriechisch- Orthodoxen im allgemeinen nur wenig beeinflußtwurden, zur vollen Blüte; hier machen sich naturgemäß zwei Ein-flüsse geltend; der nördliche, der die Eigenheiten des deutschenKatholizismus über Slovenien bis weit nach Kroatien verpflanzt,und der westliche, dessen für den italienischen Volkskatholizismuscharakteristische Besonderheiten sich längs der adriatischen Küstevorgeschoben haben.

I.

Wir beginnen unsere Untersuchung mit dem in unserem Sinneergiebigsten nördlichen Kreise, den wir kurz als den slovenischen,wegen seiner in diesem Landesteile in erster Linie feststellbarenGepflogenheiten, bezeichnen wollen. Bei unserem Berichte werdenwir auf die lokalen, von den deutschen Gebieten abweichendenSitten, besonders achtgeben.( Kenntnis der prinzipiellen Dinge setzeich voraus; ich verweise auf Richard Andree: Votive und Weihe-gaben des katholischen Volkes in Süddeutschland 1904 und aufmeine eigene Arbeit: das Gebärmuttervotiv nebst einer Einleitung:Arten und Bedeutung der deutschen Opfergebräuche der Gegen-wart 1929).

Die wächsernen Opfergaben, die aus Holz- oder Gips-modeln in verschiedenen Wachsziehereien gewerbsmäßig her-