Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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lande voll Mandel-, Oliven-, Weingärten überrascht uns der An-blick eines ganz anders gearteten Stadtbildes, nämlich von Albero-bello: niedere Häuser drängen sich an- und übereinander, mit1000en von hohen Zipfelmützen- Dächern in dunkelgrauem Stein,die scharf von den weißgetünchten Häusern sich abhebend inbizarrer Himmelslinie zum blauen Firmament ragen.

Kleine Gruppen einzelstehender Feldhütten finden sich zumgegenseitigen Schutze zusammen in dem einstigen BrigantenlandeSizilien, in der Umgebung der 14 km südöstlich von Alberobellogelegenen Stadt Mantiva Franca. Hier in Alberobello aber sind wirin einer geschlossenen Stadt. Mehr als der Häuser haben dieForm der Feldhütten; die Anpassung an die Bedürfnisse der Dauer-siedlung: mehr als ein Wohnraum, das Aneinanderreihen derHäuser zu einer Straßenfront stellt neue Anforderungen an dieseprimitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive, nur für freistehende, einräumige Hütten geeignete Bau-weise. Diesen geänderten Zwecken wurde nicht durch Aenderungen,sondern durch Summierung der Trulli entsprochen.

Jeder Wohnraum ist Einzelbau mit eigenem Kegeldach. Dortwo beide Kreise sich berühren, ist eine Verbindungstüre zwischenden Trulli angebracht.

Die toten Winkel zwischen den mehreren Rundbauten des-selben Hauses und zwischen den Häusern der geschlossenenStraßenzeile sind durch niedere Mauern gegen die Straße ab-gegrenzt und entweder durch eigene kleine Kegeldächer oder durchniedrige Ausbuchtungen der anstoßenden eingedeckt. Hiedurchwird die Absonderlichkeit des Straßen- und Stadtbildes noch erhöht.

Die so gewonnenen niedrigen Nebenräume dienen als Feuer-stellen, Vorratskammern u. s. w. Die Mauern sind oft 2 m dick.Nur durch das Gewicht der Steinmasse ist es zu erklären, daßdie heftigen Stürme den ohne Bindemittel aufgeschichteten Dächernnichts anzuhaben vermögen. Im Innern ist das Vorkragen der Steinedurch den Verputz verdeckt, man haust unter einer flachgewölbtenKuppel. Da das Steindach an und über der Kuppel massiv ist,fehlt der Dachboden. Häufig wird ein solcher durch eine Brett-vorlage etwa 2 m unter dem Scheitel der Kuppel geschaffen, indemein Segment von mehr als der Hälfte der Kreisfläche ober demWohnraume abgegrenzt wird, zu dem man auf einer Leiter empor-steigt. Dort oben werden meist Feldfrüchte verstaut. Manchmalsieht man nur Balken unter der Kuppel durchlaufen. Diese dienennicht zur Spreizung der solide Bau bedarf dessen nicht