Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde32 (1927) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
32 (1927) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

der Inhalt, Motive und Motivgruppen.( Man vergleiche hiezu auf Seite 149des besprochenen Buches:» Daß die Volksdichtung in gebundener Formnicht älter sein kann als das Versmaß mit dem von ihm vorausgesetztenSprachstudium, ist selbstverständlich«.) Vergleichen wir nach Motiven, besseraber nach Motivgruppen, so stehen wir überall auf festem Boden und ge-langen zu sicheren Resultaten. So verwirrt auch heute alle Ansichten überMärchen, Mythologie, Religion und deren Abhängigkeit von einander sind,wozu noch die vielen Deutungsversuche kommen, besteht doch die erfreulicheTatsache, daß auch alte Arbeiten, dort, wo sie Motivgruppen der mythischenUeberlieferung rein vergleichend gegenüher gestellt haben, auch heute nochnicht das Geringste von ihrem Werte eingebüßt haben. Die mythische Ueber-licferung wäre aber unvollständig, wenn wir nicht auch Rätsel, Sprichwörterund das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum mit einbezögen. Das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum ist an den Kalender ge-bunden, welcher Art er auch sei. Somit ergibt sich, daß auch der Kalender,der von der gesamten volks- und völkerkundlichen Forschung bisher argvernachlässigt wurde, mit in die Mythenforschung einzubeziehen ist. Wiewichtig der Kalender ist, ersieht man daraus, daß auch das Christentum sicheinen solchen schaffen mußte und ohne ihm keine Weltgeltung erlangt hätte.Forschen wir in dieser breiten Weise, so gelangen wir ohne jede Deutungvon selbst zu einem Weltbilde, das jeder Kulturgeschichte, also auch der dermythischen Ueberlieferung, zukommen muß.

Die folkloristische Arbeitsmethode Kaarla Krohns bedeutet eine nachallen Regeln der Wissenschaft deutlich vorgezeichnete Sackgasse, aus der eskeinen Ausweg zu weitgreifender Erkenntnis gibt. Eines nur kann helfen:Vergleichen auf breitester Grundlage ohne Voraussetzungen und Annahmen.Wenn wir aber immer wieder das Gebäude einreißen und von neuem auf-bauen müssen, wie sollen wir da zu einem wohnlichen Hause kommen?

K. Spieß.

E. Schnippel: Ausgewählte Kapitel zur Volkskundevon Ost- und Westpreußen. Beiträge zu einer vergleichenden Volks-kunde. I. Reihe. Danzig 1921.( 168 S., 12 Abb.) 2. Reihe. Königsberg 1927.( 186 S., 27 Abb.)

Der etwas umständliche Titel wird doch dem Inhalt des vorliegendenBändchens am ehesten gerecht; vorzüglich in den Abschnitten zur geistigenUeberlieferung des Landes erweist sich der Verfasser als kenntnisreicherBearbeiter, der Germanisches wie auch Antikes sinnvoll der Untersuchungeinzuordnen weiß. Besonders gelungen scheint uns die Exegese beim> Johannis-kränzlein« und den» westpreußischen Segen«. Auch dem Tempelhüpfen( Himmel und Hölle) und Jerusalemspiel, dem altpreußischen Totenglaubenweiß Verfasser kulturgeschichtliche Vertiefung zu geben.» Unberufen<<, dermehrfach abgehandelte Brauchkalender( namentlich Weihnachtsbaum, der>> Bethlehemitische Kindermord« und» das Kindelwiegen«), die Platzmeister-sprüche bieten Einblick in die in der Ostmark Preußens ähnlich wie inunserer süddeutschen Ostmark sehr getreu bewahrten Volkssitten. Besonderserfreulich erscheint es, daß der von der Philologie herkommende Ver-fasser mit warmer Neigung sich auch der Sachkultur zugewendet hat.Die aufschlußreiche Arbeit über Wacholder=(» Kaddick«) Bier und den Met

59

59