Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde32 (1927) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
32 (1927) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

8

stock verwendet worden sein. Gegen diese Annahme sprichtallerdings die durch den Schnitzer angedeutete Nase, sowie derMund, der nur durch eine Kerbe markiert ist.

Inhaltlich ist also ziemlich sicher eine Umdeutung im Sinnealten Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums erfolgt. Ob dieser Dågl nun ein böser Dämonist oder ein guter Hausgeist, lasse ich dahingestellt.

Ich meine, daß hier ein Fruchtbarkeitsritus vorliegt. Daraufbringt mich vor allem eine ganz rohe Andeutung erotischenCharakters( einer vulva) knapp unter dem Halse der Büste undder Umstand, daß diese von der Bank geschlagen wird. DasSchlagen im Frühling als Fruchtbarkeitswunsch ist ja in vielenGegenden heute noch üblich. Auffallend ist, daß es eben hiereine weibliche Figur und kein männliches Idol gibt! Das Schlagenvon Kegeln, hölzernen Figuren und anderen gestaltähnlichenKörpern ist als Handlung mit Kulthintergrund aus Deutschlandmehrfach bezeugt.

Jedenfalls geht dieses Volksspiel auf uralte Zeit zurück; obes sich nicht hier um Ueberreste einer uralten Kulthandlung,um einen Mannbarkeitsritus handelt, zumal das Spiel besondereGeschicklichkeit erfordert?

Hier wird ein Blick in die Volksseele getan, der uns ihregeheimsten Winkel öffnet und neuerlich zeigt, wie treu das Volkan alten Sitten und Bräuchen festhält, wenn nicht der Einflußder Großstadt die Sitte der Väter beiseite schiebt und in Ver-gessenheit sinken läßt.

Es wäre von Wert, zu erfahren, ob dieses Spiel auch ander-wärts noch üblich ist oder in Brauch stand, um noch nähereAnhaltspunkte hiefür zu gewinnen.

Kuntner brachte am nächsten Tag, als wir abreisen wollten,den» Dågl« daher, den er gerade vor dem Verbrennen schützenkonnte. Der Eigentümer, ein Bauer in der Umgegend, wollte ihngerade an diesem Tage zerhacken, als unser Gewährsmann ihnnoch rechtzeitig vor dem Untergange retten konnte.

Ich brachte den Dågl mit nach Wien und übergab ihn demMuseum für Volkskunde, wo die Figur nun ihre endliche Auf-bewahrung finden wird.

Eine>> Habaner<«<-Töpfersiedlung in Siebenbürgen.

Von Dr. Julius Bielz, Hermannstadt.

Während des Dreißigjährigen Krieges war der Fürst vonSiebenbürgen Gabriel Bethlen in dem mährisch- ungarischenGrenzgebiet mit deutsch- mährischen Wiedertäufern oder Anabap-tisten in Berührung gekommen. Auf ihre Vorzüge als tüchtigeHandwerker aufmerksam geworden, verpflanzte er eine Gruppedieser» Mährischen Brüder«, von ihren slowakischen Mitbewohnern» Habaner<< genannt, aus der Gegend von Sobotisch nach Sieben-bürgen und wies ihnen als Wohnsitz das Städtchen Winz- Alvincz