Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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31 (1926) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Sigurd Erixon:

Möbler och heminredning i svenskabygder. Zwei Teile. Mit 1141 Bildern. Nordiska museets förlag. Stockholm.Preis 60 schwed. Kronen

Die schwedischen Bauernmöbel und ihre Geschichte sind in der Literaturbisher wenig ausführlich behandelt worden. Erst mit der neulich erschienenenArbeit von S. Erixon sind sie Gegenstand einer gründlichen Untersuchunggeworden. Es ist ein in hohem Grade umfassendes und in vielen Hinsichtenbisher unbekanntes Material, das hier an den Tag tritt. Der Verfasser suchtdie Typen, ihre Frequenz und geographische Verbreitung festzustellen. Dabeihat er nicht nur auf die Sammlungen des Nordiska Museet in StockholmRücksicht genommen, sondern auch auf die Möbel der zahlreichen schwedischenProvinzmuseen und auf das, was der Verfasser sonst auf seinen zahlreichenReisen gesehen hat. Sehr oft läßt er die schwedischen Verhältnisse durchAusblicke auf die umgebenden Länder erhellen. Ueberhaupt ist sich der Ver-fasser über die abhängige Stellung Schwedens in dem Kulturleben frühererJahrhunderte völlig klar. In großem Umfang sind daher die schwedischenBauernmöbel des 19. Jahrhunderts Einfuhr von draußen. Gewöhnlich habendabei die Möbelformen zuerst die Kultur der höheren Klassen passiert, umdann allmählich zu den Bauern hinunterzusinken. Dabei muß aber hervor-gehoben werden, daß die schwedischen Bauern in keiner Weise sklavisch diein dieser Weise zu ihnen gekommenen Formen übernommen, sonderndieselben in großem Umfang in für sie passendere Gestalten umgewandelthaben, wobei die Dorfkünstler reiche Proben ihrer Kunst sowohl bei derornamentalen als auch bei der sonstigen Ausschmückung gaben. Die Masseder Kreuzungen zwischen den ursprünglichen Typen hat einen Formen-reichtum hervorgerufen, der dem Verfasser große Mühe verursacht hat, diegenetischen Zusammenhänge klarzulegen. Darum haben die aufgestelltentypologischen Stammbäume bisweilen mehr den Charakter eines Vorschlagesals sicherer Ergebnisse, was aber bei dem ungeheuer reichen und bisherwenig bearbeiteten Material kaum anders sein könnte.

Die wichtigsten Wurzeln der schwedischen Bauernmöbel sieht der Ver-fasser in den um die Wände herumlaufenden Pritschen oder Bretterbühnen,die noch immer in den auf den schwedischen Sennereien fortlebendenprimitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Herdhäusern vorkommen. Als diese Bänke sich von der Wandlösten, gaben sie allmählich zu Möbelformen verschiedener Art Anlaß, wieBänke, Tische, Bettstätten u. s. w Die interessanteste und wichtigste Tischformunserer Bauernstuben ist der große Tisch an der Giebelwand, dessen hohes Alterseine noch immer häufige gotische Form bezeugt. Nach der interessantenAnnahme des Verfassers ist dieser Tisch der spezielle Festtisch der Männerbei ihren Trinkgelagen gewesen, die ja ursprünglich rituellen Charakterhatten. Dies erklärt, daß dieser Tisch bis auf den heutigen Tag gewisser-maßen heilig gehalten wurde und daß die Frauen nur in geringem Umfangdas Recht hatten, ihre Mahlzeiten an diesem Tische mit den Männerneinzunehmen.

Gewisse Möbelformen nahmen ihren Ursprung aus dem ausgehöhltenBaumstamm. Dies gilt besonders für gewisse primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Formen von Truhen,Schränken, Kinderwiegen und Stühlen. Was denn die Letzterwähnten betrifft,( schwed, dial. kubbstol), die in dem nördlichen Schweden bis zu denProvinzen Dalsland und Uppland auftreten, kommt dieser Typus auch sonst,zum Beispiel in Spanien, wie auch bei den Etruskern vor. Von einer anderenprimitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Form des Stuhles, dem selbstgewachsenen Schemel, meint derVerfasser, daß dieser aus dem Bedarf eines Sitzplatzes neben dem Herdehervorgegangen sei. Die entwickelteren Formen der Stühle sind spät in dieBauernstube hineingekommen und dienen zuerst nur bei feierlichen Gelegen-heiten als Ehrensitz des Hausvaters, als Braut- und Richterstühle.

Das oben Angeführte könnte vielleicht eine Vorstellung von demstattlichen Werke geben. Hier wie sonst schätzt man die gesunde Auffassungdes Verfassers, daß die ethnographischen Probleme des einen Landes nurunter Rücksichtnahme auf die europäischen Kulturzusammenhänge zu lösen sind.Ragnar Jirlow.