Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde30 (1925) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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30 (1925) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Ende der Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre regtesich in Wien der Sinn für Volkskunde: Männer ganz verschiedenerLebensstellung traten mit volkskundlichen Arbeiten hervor unddie Anthropologische Gesellschaft war für sie der erste Sammel-platz. Diese Männer waren voneinander vollständig unabhängig.Auf ihren eigenen Wegen waren sie zur Erkenntnis von derWichtigkeit und dem Werte volkskundlicher Studien gekommen.

>> Die Zeit war erfüllet.<< Es war aber auch bis dahin grotesk:Ueber die entferntesten primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Kulturen konnte man sich inden Wiener Museen unterrichten, nur nicht über das, wie derBauer bei uns wohnt und lebt, denkt und fühlt. Volkslied, Volks-sage, Märchen, Volksmusik, das alles war längst in Gnaden auf-genommen worden, aber für die Realien, für die materielle Kulturwar kein Sinn und Verständnis vorhanden. Wenn man für dieNotwendigkeit eines volkskundlichen Museums in Wien eintrat,erhielt man zur Antwort, daß eine solche Sammlung in die Provinzgehöre, aber nicht in die Hauptstadt!

So sprachen Männer der Wissenschaft, die wegen ihrerLeistungen mit Recht in hohem Ansehen standen.

Heute ist das anders. Aber daß es anders ist, ist das Ver-dienst derer, die sich nicht abschrecken ließen, weil sie die großeBedeutung der Volkskunde für alle Kulturwissenschaft erkannthatten. M. Haberlandt gehört zu diesen Pionieren, er schuf dieZeitschrift für österreichische Volkskunde, er schuf das Museumfür diese. Die Zeitschrift hat vieles Neue an den Tag gebrachtund der Vergessenheit entrissen, und das Museum ist einer derschönsten Aktivposten auf der Liste unseres Kulturbesitzes.

Haberlandts Hauptstreben gilt sowohl im Sammeln wie inder bearbeitenden Forschertätigkeit der Volkskunst. In einemformell und inhaltlich gleich vorzüglichen Werke über öster-reichische Volkskunst 1910-11 hat er diese in vergleichenderBetrachtung dem Verständnisse erschlossen und hat in drei Jahres-bänden( 1914-17) den Werken der Volkskunst weitere Freundeund Bearbeiter gewonnen.

Univ.- Prof. Dr. Rudolf Meringer

Graz.