Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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29 (1924) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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zu Dänemark und dänischer, wie auch norwegischer Kultureinfluß macht sichin mancher Hinsicht bemerkbar. Dalsland hat als wenig zugängliche Wald-landschaft vicle altertümliche Züge bewahrt.

Vier Räume waren mit Möbeln aus Halland, Bohuslän, Dalsland undVästergötland eingerichtet. Es waren handfeste Tische, Bänke, Stühle, Truhenund Betten, bunt bemalt oder geschnitzt, meist im vergröberten Stil des18. Jahrhunderts, doch fanden sich auch ältere Stücke. Interessant warendie Eckkästchen, die man auf den wandfesten Bänken in den Bauernstubenaufstellte. Das älteste stammte aus dem Jahre 1691, ein anderes war kunst-voll geschnitzt und trug neben einer lateinischen Inschrift auch Runenzeichen.Bänke und Stühle hatten manchmal eine umklappbare Rückenlehne. Typischfür Bohuslän war ein großer, eiserner Ofen norwegischer Herkunft aus demJahre 1754, Eigenartig waren die großen Standuhren in dem charakteristischengeschweiften Barockgehäuse. Sie heißen» moraklockor nach dem Ort Morain der Landschaft Dalarna, wo das Uhrmacherhandwerk wie im Schwarzwaldals Hausgewerbe getrieben wurde. Eine typische schwedische Bauernmalereiauf Papier, die in ganz primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver, kindlicher Art Szenen aus dem AltenTestament darstellte, diente als Wandschmuck.

Mannigfacher Hausrat veranschaulichte die bäuerliche Lebensführung.Die Küchengeräte waren die für das offene Feuer üblichen, Interesse erregtenaus Talkstein geschnittene Kochgefäße. Ein aus dünnen, ineinander ge-schobenen Holzplättchen gefertigter Untersatz» pannring glich ganz dem ingleicher Verwendung stehenden braunschweigischen» Schöttelkrans( Schüssel-kranz).) Tranlampen, Kienspanhalter, primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Laternen ohne Glas undLeuchter aus Ton( Fußangel- und Turmtypus), sowie Holz( sog.» häststakarmit geschnitzten Pferdeköpfen) stellten eine ältere Stufe des Beleuchtungs-wesens dar. In einem so waldreichen Lande wie Schweden war Holz dasvon der Natur gegebene Material für den Hausbau und alle Arten volks-tümlicher Hausindustrie, wie bei uns z. B. in den Alpen. Spezifisch nordischwaren die gedrechselten und bemalten hölzernen Trinkgefäße, die besonderszum Biertrinken verwendet wurden. Da gab es gewaltig große, rundbauchigeBierkannen mit einem Schnabel, aus denen der Inhalt in die eigentlichenTrinkschalen gegossen wurde, daneben nicht minder große Bierkufen, dieman auf den Tisch stellte und in denen die sogenannten» ölgäss«( Biergänse)oder ölhanar«( Bierhähne) herumschwammen, Gefäße mit einem Tierkopf alsGriff. Die Volkskunst wurde besonders durch Liebesgaben, Bräutigams-geschenke dargestellt. Hiezu gehörten geschnitzte Brautschreine, Mangel-bretter, bunt bemalte Brautrechen. Hochinteressant waren die Stroḥfiguren( alter Mann, altes Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib, Bock und Henne), die bei den zur Julzeit üblichenSpielen verwendet wurden, sowie die verschiedenen Julbrote und Kuchen,an die sich Fruchtbarkeitsbräuche knüpften. Kalenderstäbe mit Runenzeichenaus dem 17. Jahrhundert erinnerten daran, daß die Kenntnis der Runen imNorden sich viel länger als bei uns erhielt. An die alte Dorfgemeinschaftgemahnten Schulzenstäbe, Botenstöcke, Dorfhörner sowie Kerbhölzer undandere Zeichen für öffentliche Arbeiten, an denen alle in bestimmter Reihen-folge teilnehmen mußten.

1) Vergl. R. Andree: Braunschweig. Volkskunde, S. 188.